Vierspurig auf Gemeindegebiet: Nicht mit Adlkofen

Landshut soll seine Verkehrsprobleme nicht auf dem Rücken der Nachbarn lösen – Klare Vorgabe vertagt

Skizze B15neu Adlkofener Gemeindegebiet

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Adlkofen. Einen „möglichst breit angelegten Dialog, in dem richtungsweisende Sachverhalte beraten und Empfehlungen an die jeweiligen Entscheidungsträger gegeben werden,“ wollte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit seiner Idee für ein „Dialogforum B15neu“ anstoßen. Herrmann, als er seine Idee gemeinsam mit Landrat Peter Dreier und Landshuts OB Hans Rampf am 7. April diesen Jahres der Presse vorstellte: „“Wir halten einen offenen und konstruktiven Dialog für notwendig, damit die optimale Lösung für die Ost- Südumgehung sowie für die Gesamtverkehrssituation in und um Landshut gefunden wird.“ Lange hat diese Einstellung bei einem der vorgesehenen Dialogleiter dann allerdings nicht hergehalten, denn schon kurze Zeit darauf ließ der Landshuter Rathauschef Rampf verlauten, „Neinsager“ sollten gefälligst zu Hause und dem Forum fern bleiben.

Gemünzt war diese Aussage in erster Linie wohl an die Bürgerinitiativen „Stop B15neu“ und den Bund Naturschutz, an deren entschiedenen jahrzehntelangen Widerstand die ursprünglichen Pläne zum Bau der gelben Autobahn gescheitert waren. Mit dieser Äußerung war klar geworden: Landshut wird auch weiterhin versuchen, seine verschlafenen Verkehrsprobleme auf dem Rücken der Nachbargemeinden auszutragen. 

So weit die Vorgeschichte zu einer Anfrage der Adlkofener CSU-Ratsfraktion im Mai, wie sich die Adlkofener Bürgermeisterin im Dialogforum positionieren wolle. Bürgermeisterin Maurer hatte daraufhin vorgeschlagen, daß die einzelnen politischen Gruppierungen bis zur Junisitzung ihre Position darlegen sollten, um anschließend eine gemeinsame Linie für einen Ratsbeschluß finden zu können. Gestern Abend war nun die Chance für jeden Fraktionssprecher, mit einer wohlformulierten Rede zu glänzen und die übrigen Ratsmitglieder für den Standpunkt seiner Fraktion gewinnen zu können. Schriftlich hatte keine der fünf Gruppierungen ihre Vorstellungen im Rathaus vorab eingereicht, was nicht nur Protokollführer Johann Theiß schon beim Vortrag von CSU-Fraktionssprecher Westermeier in’s Schwitzen geraten ließ. Letztendlich bat er darum, ihm die mündlich vorgetragenen Erklärungen inhaltlich gerafft für’s Protokoll per eMail zuzustellen. 

Positiv aufgefallen sind an diesem Punkt die Adlkofener Grünen. Wie Alexander Kropp und Birgit John erklärten, habe sich auch ihr Ortsverband am Wochenende sehr eingehend mit diesem Thema befaßt und eine Stellungnahme erarbeitet, die – an der Stelle sollten sich die übrigen Ratsfraktionen ein Beispiel nehmen – von Birgit John verlesen und in der Sitzungspause Geschäftsführer Johann Theiß ausgehändigt werden konnte. Da die Stellungnahmen in ihrer Kernaussage erstaunlich ähnlich waren, können hier die Ausführungen der Grünen-Fraktion stellvertretend für die Stellungnahmen von Bernhard Westermeieer (CSU); Hans Strasser (WG Reichlkofen), Hubertus Werner (SPD) und Christa Passek (FW) stehen.

Birgit John kam ohne viel Federlesens zur Sache, nachfolgend die Erklärung im Wortlaut: „Ein Festhalten an einer vor 40 Jahren raumgeordneten B15neu ist aus Sicht der Grünen aus folgenden Punkten überholt:

  • es gibt die Flughafentangene (Entlastung des Münchner Raums)
  • Ortsumfahrung Vilsbiburg seit langem vorhanden
  • Ortsumfahrung Rosenheim im Bau.

Der Durchgangsverkehr auf der bestehenden B15 ist unterdurchschnittlich. Die Probleme an bestimmten Brennpunkten der B15 wie beispielsweise in Landshut ergeben sich vorwiegend aus dem Ziel- und Quellverkehr. Hier schafft die B15neu keine Abhilfe.

Eine für LKW mautpflichtige vierspurige B15neu von Essenbach bis zur B299 bringt für Landshut keine Entlastung des Schwerverkehrs, da die Nutzung der alten B15 keine Maut, sprich Kosten verursacht. Eine von Landshut 14,8 km entfernte B15neu kann keine sinnvolle Ortsumfahrung sein – siehe auch Beispiel Altdorf die A92 hat keine Entlastung gebracht. Betrachtet man die genannten Punkte macht es in keinem Fall Sinn, die bestehende B15neu über die A92 hinaus vierspurig weiter zu führen.

Um die Verkehrsprobleme von Landshut zu lösen, muß der Verkehr auf der B299 und B15 sinnvoll geregelt werden. Eine vierspurige B15neu als Ortsumfahrung von Landshut mit derzeit über 300 Mio Euro geschätzten Kosten wird in einer Kosten-/ Nutzenrechnung wenig Erfolg haben. Die bereits angekündigten Klagen von verschiedenen Seiten machen eine schnelle Umsetzung des Bauvorhabens unmöglich, das heißt es bringt Landshut für die nächsten zehn bis 15 Jahre keinerlei Entlastung.

Vorschlag für die Position Adlkofens für den Dialog:

Der bereits bestehende Antrag für den Verkehrswegeplan zum Ausbau der B299 am Kaserneneck auf vierspurig wird begrüßt. Durch eine Landshuter Osttangente bleibt der Verkehr der B15 aus der Stadt. Eine Verlegung der B15 aus Landshut Richtung Osten benötigt kein Raumordnungsverfahren, mit einer zeitnahen Realisierung könnte gerechnet werden. Die Chance immense Kosten für den Steuerzahler zu verhindern und schneller eine Lösung für Landshut zu schaffen ist mit den zwei vorgeschlagenen Punkten gegeben.“

Auf den Punkt brachten es anschließend noch GR Hubertus Werner und GRn Christa Passek. Beide rieben sich an der Tatsache, daß Landshut über Jahrzehnte hinweg die sich abzeichnende Verkehrsentwicklung ignoriert und sich jetzt auf Kosten der Nachbargemeinden Luft verschaffen wolle. Passek führte dazu als Paradebeispiel für den Egoismus der Bezirksmetropole das Landshuter Kaserneneck an. Auch hier hatte der Landshuter Stadtrat einem kleinen Einkaufspark den Vorzug vor einer Verkehrslösung gegeben.

Vor der sich anbahnenden Abstimmung über eine gemeinsame Verhandlungsvorgabe der Bürgermeisterin für das Dialogforum, regte GR Alexander Kropp an, der Gemeinderat sollte sich eine von Hans-Jürgen Withopf erarbeitete und parteineutral gehaltene Dokumentation zu den B15neu-Alternativen vorstellen lassen, um eventuell einen konkreten Vorschlag in die Beratungen einbringen zu können. Auch die Anregung von Hubertus Werner, dazu die Öffentlichkeit einzuladen fand im Adlkofener Gemeinderat Zustimmung. Der Termin war dann schnell gefunden: Mittwoch, 17. Juni, 19 Uhr in der Schulaula. Der Pferdefuß an der Sache – da anschließend noch eine Sitzung stattfindet, wird es bei dieser Präsentation keine Gelegenheit für eine Diskussion geben.

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