„…und es ward ein Hauen und ein Stechen“

Adlkofen. Zuhörer in einem Gerichtssaal erleben das fast täglich: Da provoziert ein Anwalt oder Staatsanwalt die Gegenpartei mit Unterstellungen und Halbwahrheiten in der Hoffnung, so bei dieser eine unüberlegte Reaktion hervorzurufen, um dann sein eigentliches Ziel zu erreichen: die Gegenseite in Widersprüche zu verwickeln. Ein solches Vorgehen dürfte tägliches Brot bei Juristen sein und war diesmal auch im Adlkofener Sitzungssaal erfolgreich. Die Gegenspieler: SPD-Gemeinderat Hubertus Werner in der Rolle des „Anklägers“, Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer in der Rolle der „Beschuldigten“. Der Vorwurf: Die Vorsitzende des hiesigen Partnerschaftvereins Badia Calavena, Eva Werner, Ehefrau des Gemeinderates,  habe keine Einladung der Gemeinde ins Adlkofener Rathaus zum Empfang der italienischen Bürgermeister und deren Eintragung in das Goldene Buch bekommen. Zur moralischen Unterstützung des in der Fragerunde am Ende der öffentlichen Sitzung vorgebrachten Vorwurfs war die vollständige Vorstandschaft des Vereins im Sitzungssaal unter den rund 40 Zuhörern vertreten. Später dann, im Laufe der Auseinandersetzung, wurde der Vorwurf von Werner zwar in „nicht rechtzeitig“ abgeschwächt, aber da hatte er es diesmal schon geschafft, die Bürgermeisterin aus der Fassung zu bringen.

Das war gleich zu Beginn der Runde „Wünsche und Anfragen“ noch anders. Gemeinderat Bernhard Westermeier äußerte den Wunsch, in Zukunft die Unterlagen zur Sitzungsvorbereitung wieder in der guten alten Papierform erhalten zu wollen. Es sei für eine sinnvolle Sitzungsvorbereitung einfach unerläßlich, manche Dokumente im Kontext mit anderen Dokumenten zu betrachten, sie auch einmal zur Seite legen oder bei Gelegenheiten studieren zu können, bei denen kein PC zur Verfügung steht. Außerdem sei es einer Privatperson nicht zumutbar, regelmäßig mehrseitige Dokumente am privaten PC auszudrucken. Westermeier: „Das letzte Mal wären es 140 Seiten zu einem Vorgang gewesen und da hört sich der Spaß auf. So ist das kein Arbeiten mehr!“ Deshalb äußerte er den durchaus nachvollziehbaren Wunsch, die Unterlagen wieder in Papierform geliefert zu bekommen.

Kommt nicht in Frage – war sinngemäß die Reaktion der Bürgermeisterin. Das sei terminlich nicht zu bewältigen und wenn dann was nachgeliefert werden müsse, käme wieder der Einwand „man habe Unterlagen nicht bekommen“! Blatt’l-Leser wissen, das war im ersten Jahr des jetzigen Gemeinderates eine der Lieblingsattacken von Gemeinderätin Alexandra Passek (CSU) gegen die Bürgermeisterin und hatte sich später nur durch Zufall als persönliche Wissenslücke im Umgang mit eMail-Postfächern herausgestellt. Das werde sie auf keinen Fall wieder anfangen, lehnte Maurer das Ansinnen Westermeiers kategorisch ab. Was der wiederum mit Beharrlichkeit und der unbeantworteten Frage konterte „was macht’s denn, wenn ich keinen Internetanschluß hab’“?

Versteht sich von selbst, daß der CSU-Fraktionssprecher hier die Unterstützung von GRn Alexandra Passek hatte. Doch die Bürgermeisterin blieb hart. Erst vor Kurzem habe die Gemeinde nach Rücksprache und ausdrücklicher Befürwortung durch die Gemeinderäte Geld für eine Softwarelösung ausgegeben, die es jedem Gemeinderat ermöglicht, in einem internen Bereich der Gemeindehomepage alle für eine Sitzung relevanten Unterlagen einzusehen und bei Bedarf eben auch auszudrucken. Erst Geld ausgeben, um dann die eingekauften Lösungen nicht zu nutzen, käme nicht in Frage. Man möge sich doch ‘mal vorher überlegen, was man wolle, so Maurer.

Den zweiten Punkt, den Westermeier vorbrachte, hatte Gemeinderat Hubertus Werner schon beim Aufruf des siebten Tagesordnungspunktes „Haushaltsjahr 2014 – Vorlage des örtlichen Prüfberichts, Feststellung der Jahresrechnung und Entlastung zur Jahresrechnung 2014“ moniert. Er könne nicht verstehen, warum der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses Stephan Werner (SPD) den Prüfungsbericht nicht abgeben und die Entlastung der Bürgermeisterin durchführen durfte. Die Antwort von Bürgermeisterin Maurer und Geschäftsführer Theiß, weil nun eben einmal von Gesetzes wegen der Zweite Bürgermeister die Sitzung zu leiten hat, wenn der Erste persönlich betroffen ist, wollte Westermeier nicht hinnehmen: „Das haben wir jetzt 20 Jahre so gemacht und jetzt auf einmal soll’s falsch sein? Das kann nicht sein“ beharrte er. Auch den Hinweis der Bürgermeisterin, sie habe den Ausschußvorsitzenden doch laut und vernehmlich gefragt, ob er zu dem Punkt etwas sagen möchte und es sei von diesem keine Reaktion erfolgt, ließ Westermeier nicht gelten. „20 Jahre war es richtig und jetzt soll es auf einmal falsch sei, des glaab i ned“!

Die Stimmung war also schon mal „angeheizt“, da schlug der Fraktionssprecher überraschend ganz andere, ungewohnte Töne an. Er bedankte sich beim ADLKOFENER BLATT’L – doch dazu im Beitrag „Bestechung“ mehr. Die Ausführungen Westermeiers zu diesem Punkt jedoch, waren zumindest dort, wo sie einen weiteren anwesenden Adlkofener Bürger betrafen, ungerechtfertigt, provozierend und gerade Mal noch oberhalb der Gürtellinie.

Der angegriffene Adlkofener hielt nicht mehr an sich, ergriff das Wort und attackierte seinerseits den CSU-Chef. Der sich anbahnende Streit wiederum reizte Gemeinderat Bernhard Härtel (CSU/Einigkeit) noch ehe die Bürgermeisterin eingreifen konnte, zu der Feststellung „Du setzt di hi, denn Du hast da herin garnix zum song“! Da der Adlkofener dem, wenn auch widerwillig nachkam, war zumindest dieser „Einakter“ erledigt.

Darauf folgte die Attacke von SPD-Gemeinderat Hubertus Werner. Was aber war tatsächlich passiert? Wie die Bürgermeisterin versuchte, ihrem Widersacher zu erklären, hatte die Gemeinde sehr kurzfristig vom Besuch der Delegation aus Badia Calavena erfahren und sofort mit einem Einladungsschreiben an alle dafür in Frage kommenden Personen reagiert. Auch an die Vorsitzende des Vereins Eva Werner war eine solche Einladung adressiert. Und während der erste Stapel Briefe sich bereits unwiderruflich auf dem Postweg befand, ist man im Rathaus darauf aufmerksam geworden, daß es versäumt worden war, in den Einladungen eine Uhrzeit anzugeben. Das ging natürlich gar nicht und so wurden die Briefsendungen – so weit das noch möglich war – zurückgeholt und gegen aktualisierte Briefe ausgetauscht. Aber zum Postversand kam es erst am darauffolgenden Werktag. Das war die Ursache dafür, daß ein Teil der geladenen Gäste die Einladung früher als der andere erhalten hat und der Umstand, der GR Werner zu dem übertriebenen Vorwurf inspirierte, seine Frau als Vorsitzende des Patenschaftsvereins habe gar keine Einladung erhalten.

Eine solche Anschuldigung konnte und wollte die Bürgermeisterin keinesfalls auf sich sitzen lassen. Warum die Rathauschefin diesmal so vollkommen anders reagierte, wie bei ähnlichen Attacken Werners in der Vergangenheit, warum sie ausgesprochen dünnhäutig auf die verbale Finte des geübten Juristen hereinfiel und sich in ein lang anhaltendes Wortgezänk verstricken ließ – man weiß es nicht. Möglicherweise war die Ursache ja in der kurz davor stattgefunden Eskalation begründet. Die mangelnde Souveränität bei der Gelegenheit hinterließ jedenfalls bei einem Teil der Zuhörer keinen besonders guten Eindruck.

Ein Ende wurde dem verbalen Schlagabtausch erst nach dem Einwurf von Gemeinderat Christoph Kropp (FW) geboten, der den minutenlang Streitenden mehr oder weniger in’s Wort fiel und Antrag auf Ende der Debatte stellte. Abgestimmt werden mußte darüber nicht mehr. Irgendwie schienen beide aneinandergeratenen Parteien insgeheim froh zu sein, den Disput beenden zu können und andere Gemeinderäte hatten sich ohnehin nicht beteiligt.

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