Adlkofener-Blattl

Schlagwort Archiv: Biodiversität

Roßberg – der Protest bleibt!

„Außerdem gibt es in der Gemeinde neben Bebauung und Straßenbau noch viele andere Themen, denen wir künftig eine höhere Priorität einräumen müssen. Dazu zählen für mich Landschaftsschutz und ein zur Gemeinde passendes Ortsbild“

Rosa-Maria Maurer

Frau Maurer besinnen Sie sich und lösen Sie Ihr Versprechen ein. Dafür wurden Sie gewählt und nicht um Landschaft mit einzigartigen Biotopen, wie die in Roßberg, zu vernichten!


Beiträge zum Thema:


Roßberg und Aigner Wiese: Die Natur stirbt leise und langsam

Es geht schon lange nicht mehr nur um den Wachtelkönig

abtransport des Mulchs zur kompostierung

Mulch nur abrechen reicht nicht, er muß auch entsorgt werden. Gott sei Dank gab es dafür einen Helfer!

Adlkofen. Aufmerksamkeit über die Gemeindegrenzen von Adlkofen hinaus, findet derzeit die in Roßberg beziehungsweise auf der Aigner Wiese laufende Biotop-Rettungsaktion. Hört sich dramatisch an, sieht meist unspektakulär aus, hat großen Einfluß auf die Entwicklung der dortigen Pflanzenwelt. Das ist leider noch nicht bis in alle Köpfe der Adlkofener vorgedrungen. Spricht man mit Menschen aus dem Ort, von denen man sich eigentlich helfende Hände hätte erwarten können, bekommt man immer wieder ein und dasselbe Argument zu hören: „Warum soll man da was machen, da wurde schon immer gemulcht“!

Das ist, zum Teil jedenfalls, richtig, belegt aber auch genau das, warum es mit der Mulcherei nicht weitergehen darf. Der an Aign angrenzende Biotophang war lange Jahre im Vertragsnaturschutz und wurde während dieser Zeit nicht gemulcht. Das muß an dieser Stelle schon einmal richtig gestellt werden. Erst in den letzten beiden Jahren war diese vertragliche Bindung ausgelaufen und das Mähgut wurde

Ruiniert – weil’s so üblich ist!

Heckenschutz auch für Bürgermeisterin Maurer Fremdwort – Wie qualifiziert ist der eingesetzte Fachbetrieb?

vorher-nachher-vergleich der feldhecke bei laeuterkofen

Oben: Die Läuterkofener Feldhecke im Spätherbst 2016 – Unten: ihre traurigen Reste im Februar 2017

Läuterkofen. Gewütet wie die Berserker hat ein sogenannter „Fachbetrieb“ letzte Woche in der Gemeindeflur Adlkofen. Auf Anweisung der Ersten Bürgermeisterin wurden bei einigen Feldhecken „Pflegemaßnahmen“ durchgeführt. Im Klartext hat das nichts anderes zu bedeuten, als sie wurden auf Jahre hinaus ihrer ökologischen Funktion beraubt und in wesentlichen Charaktermerkmalen vernichtet! Ein trauriges und um so aussagekräftigeres Beispiel hierfür die ursprünglich rund 230 Meter lange Hecke bei Läuterkofen, die erst vor rund drei Jahren einen zweifelhaften „Pflegeschnitt“ hatte über sich ergehen lassen müssen.

Im Frühjahr reichblühende Hundsrosen, eher bekannt als Heckenrosen, Wilder Schneeball, Hartriegel und immergrüner Liguster; im Herbst reicher Behang an kräftig sattroten Hagebutten und schwarzen Ligusterbeeren. Darüber, ab Ende August, ein zwar lichtes aber reichhaltiges Dach sich an den Ästen langsam von Gelb auf leuchtendes Scharlachrot umfärbender Vogelbeeren. Die Blüten im Frühjahr und Sommer nicht nur reich gedeckter Tisch für Honig- und Wildbienen, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten. Während des ganzen Jahres ist die Hecke auch Rückzugsgebiet und Schutzgürtel für allerlei Kleingetier, darunter Igel aber auch Niederwild wie Hase und Rebhühner.

fachmännische Heckenpflege a la Adlkofen

Aus der Landschaft getilgt – fachmännische Heckenpflege a la Adlkofen.

Es bietet kein anderes Biotop ein derart reichhaltiges Sortiment an Nahrungsmöglichkeiten. Dieses Nahrungsrefugium steht im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Nutzflächen wie zum Beispiel auf Ackerflächen praktisch das ganze Jahr über zur Verfügung. Die außerordentlich vielfältigen kleinklimatischen Bedingungen und gestuften Pflanzenstrukturen auf engstem Raum erlauben eine sehr verschiedenartige Nutzung durch die Tierwelt und dadurch eine außerordentlich hohe Artenzahl. Das Stichwort wäre hier „Biodiversität“ oder der weltweite Kampf gegen den drastischen Artenschwund.

Daß die Hecke vom Ortsende entlang der Verbindungsstraße von Läuterkofen vor zur Kreisstraße LA 3 auch für Spaziergänger und Wanderer zu jeder Jahreszeit ihren Reiz hatte, haben uns in den letzten Tagen einige verärgerte Gemeindebürger bestätigt, die mich auf den Heckenfrevel angesprochen haben.

Seit letzter Woche ist es also vorbei mit dieser Pracht und einer ökologisch besonders wertvollen Feldhecke auf Adlkofener Gemeindegebiet. Im Auftrag des Rathauses wurde dieser Mosaikstein gesamtbayerischer Biodiversitätsbestrebungen – für die der Freistaat jährlich einen nicht unerheblichen Betrag aufwendet – zusammen mit weiteren Hecken im Gemeindegebiet gründlich zerstört. Die traurigen Reste im Fall Läuterkofen befinden sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Acker.

Bei einem zufälligen Treffen am Samstagvormittag auf den anti-ökologischen Wahnsinn angesprochen, reagierte Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer erst einmal mit Gelassenheit und Verwunderung. Schließlich sei Heckenpflege – Sie lesen richtig, „Heckenpflege“ – wichtig, um die Hecken zu erhalten und eine Hecke „auf Stock zu setzen“ dabei die übliche Vorgehensweise. Außerdem habe man, da die Bauhof-Mitarbeiter wegen der laufenden Renovierungsarbeiten und den dabei anfallenden Möbelrückereien dringend im Rathaus benötigt wurden, eine Fachfirma mit der Heckenpflege beauftragt. Die wisse schließlich auch, wie das richtig gemacht werde! Und es sei auch ein Angehöriger der Unteren Naturschutzbehörde vor Ort gewesen und habe die „Pflegemaßnahmen“ für erforderlich gehalten und abgesegnet. Die Hecke werde, so die Bürgermeisterin beschwichtigend, „nachwachsen und die gefällten Bäume sind faul gewesen“.

kernefaeule - erst nach der baumfaellung entdeckt

Einer der beiden „Alibistümpfe“ – von außen war es dem Baum sicher nicht anzusehen…

„Faule Ausreden“ ist alles, was einem dazu einfällt. Tatsächlich waren zwei der Baumstämme im Inneren von beginnender Kernfäule betroffen. Die zurückgebliebenen Baumstümpfe belegen das. Jedoch keineswegs so, daß sie eine Gefahr dargestellt und nicht doch noch manchem Sturm hätten trotzen können. Aber selbst Totholz hat wichtige Funktionen für die Biodiversität eines Lebensraumes Hecke und soll nach Vorgaben des Kultur- und Landschaftspflegeprogramms nicht vollständig aus den Hecken entfernt werden. Wenn aus Gründen von Verkehrssicherheit erforderlich, kappt man solche Bäume etwa auf Mannshöhe und läßt den Rest stehen. So viel Sachverstand sollte man bei einem „Fachbetrieb“ eigentlich voraussetzen können.

Maßnahmen der Heckenpflege werden, wie es zum Beispiel das Bayerische Landwirtschaftsministerium in seinen Beihilferichtlinien zu KULAP beschreibt, nach