Stellvertr. Landrat Wittmann unterstreicht Bedeutung von Gemeindepartnerschaften

Nereo Stoppele überrascht mit innovativer Idee zur Vertiefung des Partnergedankens – Bgm. Maurer lobt starkes Engagement der Bevölkerung beider Kommunen

Die Besucher hatten gut lachen bei einer solchen Auswahl.

Die Besucher hatten gut Lachen bei einer solchen Auswahl.

Adlkofen. Nördlich von Verona in Oberitalien liegen in der Provinz Verona, zugehörig der Region Venetien, die „Tredici Comuni“. Es sind dreizehn Gemeinden auf einer von Bergen umsäumten abgelegenen und isolierten Hochebene, die von der Talseite nur schwer zugänglich ist. Es ist das Siedlungsgebiet der Zimbern, die sprach- und völkerge-schichtlich weit zurückreichen bis um das Jahr 120 v. Chr., in dem sich die ursprünglich in Jütland ansässigen Kimbern auf den Weg in den Süden machten und in Oberitalien landeten. Die „Tredici Comuni“ sind eines der klassischen Siedlungsgebiete der Zimbern (abgeleitet von Kimbern), in dem heute noch Sprachreste des Zimbrischen erhalten sind und vereinzelt gesprochen werden. Alltagssprache ist das Zimbrische neben dem Italienisch nur noch in Ljetzan (Giazza), einer Ortschaft in der Gemeinde Selva di Progno. Und warum an dieser Stelle dieser Exkurs in nun wirklich längst vergangene Zeiten? Nun, eine dieser „Tredici Comuni“ ist auf zimbrisch Kalfàain, Màbado oder Kam’Abato, deutsch Kalwein oder Kalfein oder in italienisch – Badia Calavena.

DAS sind grüne Oliven, wie frisch vom Baum!

DAS sind grüne Oliven, wie frisch vom Baum!

Von besonderer Bedeutung für die gestrige Produktausstellung in Adlkofen sind diese Zusammenhänge kultur- und sprachhisto-risch, denn auf dem Weg nach Italien kamen die Kimbern auch im Bairischen vorbei – weshalb ihre Sprache Zimbrisch von Sprach-forschern auch als „das vergessene Bairisch“ bezeichnet wird – und hinterließen hier nicht nur ihre sprachlichen Spuren. Eine plausible Theorie mutmaßt darüber hinaus, daß die zimbrischen Sprachinseln in Italien durch Zuwanderung ganzer Sippschaften entstan- den, die wegen erheblicher Versorgungs- probleme auf Grund der im 11. und 12. Jahrhundert starken Bevölkerungszunahme im Stammesherzogtum Baiern in diese durchweg abgelegenen, isolierten und oft auch klimatisch und landwirtschaftlich unattraktiven Gebiete zogen.

Mit den Ausstellern aus der Partnerstadt hatte Adlkofen also Gäste aus einer Kommune mit – gesamtbairisch gedacht – gemeinsamen Vorfahren, gemeinsamer Geschichte und Kultur. Seinen sichtbaren Ausdruck findet das in der jährlichen Präsenz des Bayerischen Cimbern-Kuratoriums bei der Produktschau in Person eines hochrangigen Vertreters, gestern mit Karl Braun, Vorstandsmitglied des Kuratoriums.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Adlkofener Partnerschaftvereins Josef Mertlbauer von Gästen, Ausstellern und Ehrengästen (Pfarrer Johann Schober; Ehrenbürger Ernst Schröder; stellvertr. Landrat Fritz Wittmann; Bürgermeister Stefan Scheibenzuber und sein Stellvertreter Ludwig Thoma aus Wörth; Altbürgermeister Franz Gallecker; Altbürgermeister und Cimberfreund Georg Rauchenberger, Benediktbeuern; Karl Braun, Cimbernkuratorium; die Gemeinderäte Alexander und Christoph Kropp; Franz Wippenbeck), übergab er das Mikrophon an Pfarrer Johann Schober und dankte im beiläufig für den guten Draht nach oben. Mertlbauer: „Sie wissen ja, für das schöne Wetter, auch wenn es heuer etwas kühler als im Vorjahr ist, sind Sie zuständig.“

Pfarrer Schober„Brücken bauen“ war das verbin- dende Motto des erst kürzlich in Regensburg zu Ende gegangenen Katholikentages, so Pfarrer Schober. Brücken gebaut werden auch zwischen  Adlkofen und der Partnergemeinde Badia Calavena und sie verbinden seit 35 Jahren im besten Sinne. Der Katholikentag sei ein starker Beitrag zum Brückenschlag in der Kirche gewesen; so wie Partnerschaften ein starker Beitrag zum verbindenden Brückenschlag in Europa sein können. Wenn dann dieser Brückenschlag auch noch so erfolge wie zwischen Adlkofen und Badia Calavena, sei der Erfolg sicher. Schließlich „halten Essen und Trinken Leib und Seele zusammen“, auch eine verbindende Eigenschaft auf beiden Seiten der Alpen. Mit seinen Wünschen für einen erfolgreichen Verlauf der Ausstellung und gute Geschäfte gab er das Mikrophon weiter an den stellvertretenden Landrat Fritz Wittmann.

Immer etwas Besonderes, wenn Begegnungen stattfinden

Stellvertr Landrat Wittmann

Stellvertr. Landrat Wittmann: Es ist etwas Besonderes, wenn Begegnung stattfinden. Da hört auch Dolmetscher Giorgio Salaorno genau hin.

Wittmann überbrachte „zuallererst die besten und herzlichsten Grüße“ vom terminlich andernorts gebundenen Landrat Peter Dreier und entbot der Delegation aus Badia Calavena einen besonderen Gruß. Er bezog sich in seinem Grußwort auf die schon seit 35 Jahren zwischen den beiden Gemeinden gepflegten guten Beziehungen, die 1988 offiziell in einer Partnerschaft mündeten. Eine lange Zeit, so Wittmann, „und doch ist es immer wieder etwas Besonderes, wenn Begegnungen stattfinden, wenn man sich gegenseitig besucht.“ Es sei allerdings auch ein besonderer Anlaß der die Partnergemeinden zusammenführt. Wittmann: „Es ist ja kein großes Geheimnis, daß wir in Bayern italienische Podukte und die italienische Küche besonders lieben.“ Das zeige sich nicht zuletzt in der weit verbreiteten und geschätzten italienischen Gastronomie.

Gemeindepartnerschaften bieten Chance für neue Freunde

Wie vorhergesagt: Der erste Ansturm noch vor Markteröffnung.

Wie vorhergesagt: Der erste Ansturm noch vor Markteröffnung.

Was gestern in Adlkofen zu erleben war, sah Wittmann als das Produkt einer gelebten Partnerschaft: „Die Entwicklung, die wir gemeinhin als Globalisierung bezeichnen, findet oft über die Köpfe der Menschen hinweg statt. Die großen Wirtschaftsunternehmen agieren global, Computer sind weltweit vernetzt – doch wo bleibt der Einzelne?

Gemeindepartnerschaften sind hier ein ideales Forum, das Aufeinander-Zugehen auch selbst zu erleben und sogar mitzugestalten. Gemeindepartnerschaften bieten die Chance, sich zu engagieren und ein Stück weit an globaler Verständigung mitzuarbeiten. Und sie bieten die Chance, viel Neues kennen zu lernen und neue Freunde zu gewinnen.“

Europäische Identität in einem globalen Dorf

Völkerverständigung, so der stellvertretende Landrat, meine schließlich nicht nur, daß sich die Regierungen verständigen, sondern bedeute auch und vor allem, daß sich die Men- schen, „die die Völker ausmachen, verständigen.“ Nur wenn das geschehe, so Wittmann weiter, könne sich ein Bewußtsein davon entwickeln, „daß wir in einem globalen Dorf leben, oder so etwas wie eine europäische Identität entwickeln. Ein vereintes Europa, das wir alle anstreben, es kann nicht von oben diktiert werden, es muß von unten wachsen.“ Und dazu könnten, wie in Adlkofen gezeigt, Gemeindepartnerschaften viel beitragen. Dank und Anerkennung zollte Wittmann daher dem Engagement der Menschen, die die Partner-schaft zwischen Adlkofen und Badia Calavena zu ihrer ureigenen Sache gemacht haben, so daß in den zurückligenden Jahrzehnten viel erreicht werden konnte. Namentlich hob er dabei die beiden in den Partnerschaftsvereinen Verantwortlichen Josef Mertlbauer und Nereo Stoppele hervor.

Hohes ehrenamtliches Engagement hält Partnerschaft am Leben

Die Bürgermeisterin eröffnet die Produktausstellung. Ihr zur Seite (v.l.): Nereo Stoppele und Josef Mertlbauer.

Die Bürgermeisterin eröffnet die Produktausstellung. Ihr zur Seite (v.l.): Nereo Stoppele und Josef Mertlbauer.

Städtepartnerschaften haben sich deshalb so positiv entwickeln können, weil die Menschen ein starkes Inte- resse daran hatten, fremde Denkwei- sen und Lebensgewohnheiten kennen zu lernen und weil sie bereit waren, so Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer in ihrem Grußwort. Den Standpunkt der anderen zu verstehen und even- tuelle Vorurteile abzubauen, sei die Triebfeder dabei gewesen. Dank des Engagements vieler Menschen, die die Partnerschaft zwischen Badia Calavena und der Gemeinde Adlkofen „zu ihrer ureigenen Sache gemacht haben“, sei hier in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht worden. „So viel, daß tiefe Freundschaften zwischen unseren beiden Gemeinden entstanden sind,“ wie Maurer anfügte. Dafür bedankte sie sich mit warmherzigen Worten beim Partnerschaftsverein Adlkofen-Badia Calavena, allen voran bei Josef Mertlbauer für seinen unermüdlichen Einsatz diese Produktausstellung mit all den fleißigen Helfern und Unterstützern jährlich zu organisieren und durchzuführen. Maurer: „Nur durch solch hohes ehrenamtliches Engagement des Vereins ist es möglich, die Partnerschaft lebendig zu gestalten und zu erhalten.“ Der Produkausstellung wünschte sie wie ihre Vorredner „den wohlverdienten Erfolg“.

Bald eine „Schmankerl-Boutique“ in Adlkofen?

Berge Veroneser Salami - bald schon regelmäßig in Adlkofen?

Berge Veroneser Salami – bald schon regelmäßig in Adlkofen?

Das letzte Wort hatten die Italiener. Eine große Freude sei es ihm, die Grüße der gesamten Bevölkerung von Badia Cala- vena und des dortigen Bürgermeisters überbringen zu können, so Präsident Nereo Stoppele der „Gemellaggio Asso- ciazione Badia Calavena-Adlkofen“, dem italienischen Gegenstück des Adlkofener Partnerschaftvereins. Zum neunten Mal habe er jetzt die Gelegenheit mit der Produktausstellug in Adlkofen zu sein und es sei wieder gelungen ausreichend Aussteller zu gewinnen. Dabei habe es einen kleinen Wechsel der beteiligten Erzeuger gegeben, so daß auch weniger bekannte Spezialitäten im Angebot sind. Ganz spontan und für die bisherige Interpretation der Partnerschaft geradezu revolutionär, ließ sich Stoppele dazu hinreißen, den Adlkofenern von einer Vision, möglicherweise sogar von einer einträglichen Geschäftsidee zu berichten. Warum, so stellte er die Frage in den Raum, sollen alle diese Köstlichkeiten aus dem Illasi-Tal „nur an einem Tag im Jahr in Adlkofen zu bekommen sein?“ Er habe zwar kein detailliertes Konzept anzubieten, aber es böte sich doch an, über eine Art Sonderverkaufsstand in einem bestehenden Geschäft nachzudenken. Die „Schmankerl-Boutique“ für italienische Gaumenfreuden könnte – wie Nereo Stoppele auf Nachfrage in einem Interview mit dem „ADLKOFENER BLATT’L“ im Anschluß an den offiziellen Veranstaltungsteil erläuterte –  eventuell auch privat über einen nebenberuflichen Einstieg organisiert werden. Stoppele zeigte sich jedenfalls offen für Gespräche und sagte ernsthaften Interessenten seine Unterstützung zu. Allerdings sollten die nicht all zu lange auf sich warten lassen, die Konkurrenz schläft nicht und Wörth hat ja einen ebenso guten Draht in’s Illasi-Tal.

Produktmarkt 2015 scheint gesichert

Kaufinteressenten bitte anstellen

Kaufinteressenten bitte anstellen

Interessant könnte der Gedanke von Nereo Stoppele durchaus sein; Nachfrage gibt es nicht nur in Adlkofen. Der Andrang am Verkaufsstand war entschieden größer als im Vorjahr und hielt fast den ganzen Tag über an. Zeit- weise mußten gestern Wartezei- ten von einer guten viertel Stunde in Kauf genommen werden, um die begehrten Spezialitäten zu be- kommen. Die Kunden hatten den ganzen Tag über aus der gesamten Region nach Adlkofen gefunden. In Verbindung mit einer cleveren Marketingstrategie ließe sich das Potential sicher ausbauen und die Nachfrage festigen. Die Wartezeiten waren auch Backstage – wie „hinter den Kulissen“ heut‘ zu Tage auch geschrieben wird – bei den Funktionären beider Vereine ein Thema und man nahm sich fest vor, bis zum nächsten Produktmarkt eine Lösung dafür zu finden. Damit sollte fest stehen, daß es 2015 auch einen 10. Produktmarkt in Adlkofen geben wird, was bis zum Zeitpunkt der Markteröffnung keineswegs sicher schien. Entsprechende Gerüchte, daß es sich bei der gestrigen Veranstaltung um die vorerst letzte dieser Art handeln könnte, machten schon seit Jahresanfang die Runde. Diese Gefahr scheint gebannt, wer macht sich schon Gedanken zu Problemen, die es nur gibt, wenn die Veranstaltung fortgeführt wird?

Tauwetter zwischen den Rathäusern beflügelt die Partnerschaftsvereine

Angestoßen

Hoben die Gläser auf das Wohl der Gemeindepartnerschaft: Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer, Badia Calavenas Ehrenbürger Josef Mertlbauer und Bürgermeister Ermanno Anselmi.         (Foto: W. Maurer)

Noch im Februar war es deutlich angesprochen worden: aus der über drei Jahrzehnte gut funktionierenden Partnerschaft war, wie in einer sich totgelaufenen Ehe, „der Dampf raus“. Keineswegs bei den Mitgliedern der Partnerschaftsvereine und den übrigen freundschaftlichen privaten Beziehungen. Es krankte auf der offiziellen Ebene. „Eiszeit“ wäre zwar übertrieben, aber reichlich „frostig“ waren die Vorzeichen schon. Mit ein Grund, warum Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer noch im Mai kurz nach ihrem Amtsantritt die von Josef Mertlbauer angeregte und vermittelte Chance nutzte, ihre erste Dienstreise zum Amtskollegen nach Badia Calavena zu unternehmen.

Die diplomatische Mission war von Erfolg gekrönt; Erman- no Anselmi nahm sich viel Zeit für seine bairische Amts- kollegin und die beiden Vorsitzenden der Partnerschafts- vereine Mertlbauer und Stoppele. Spätestens 2015 wird man sich, so seine Zusage, in Adlkofen wiedersehen. Bis dahin arbeiten Josef Mertlbauer und Nereo Stoppele gemeinsam mit ihren Freunden und Helfern in den beiden Partnerschaftsvereinen an neuen Ideen, um die Gemeindepartnerschaft mit attraktivem Leben zu füllen. Die Produktausstellung 2015 wird sicher eines der Elemente sein.

Dieser Beitrag wurde unter Adlkofen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar