Starkregen legt wieder gewichtige Probleme offen

Jenkofener Badeweiher diesmal nur wenig betroffen

Blick auf den Jenkofener Badeweiher nach Starkregen an Christi Himmelfahrt 2015

So schlimm schaut’s nicht aus: Treibgut am Ufer und im Wasser des Jenkofener Badeweihers

Adlkofen. Es ist noch gar nicht so lange her, da unterrichtete Bürgermeisterin Maurer den Gemeinderat über das erfolgte „Herrichten“ des Jenkofenener Badeweihers für die Saison 2015. An Christi Himmelfahrt hätte man meinen können, war alles „für’d Katz“. Kubikmeterweise hat der Starkregen am letzten Donnerstag Acker- und Waldboden an exponierten Stellen im Gemeindegebiet mit sich gespült und in Bodensenken, Wiesen und

Blick auf die Kiesufer des Jenkofener Badeweihers

Nur ein kleiner Teil der gekiesten Fläche ist von abgeschwemmten Ackerboden bedeckt

Feldern, in den Straßengräben und Teichen angereichert. Oberflächlich betrachtet, schaut es zwei Tage nach dem Unwetter – die Fotos entstanden am Samstag – am Badeweiher gar nicht so schlimm aus. Etwas Treibgut von der Wasseroberfläche fischen und am Rand vom Kiessaum einsammeln könnte reichen. Inzwischen wurde das zu Beginn der Woche erledigt und es ist auch klar, das umfangreichere Arbeiten am Jenkofener Naturbad nicht erforderlich sind, das Wasser vom Eintrag größerer Mengen Sediments verschont blieb.  Was man von der neben der Zufahrtsstraße liegenden Wiese allerdings nicht behaupten kann.

Wenig Freude am derzeitigen Zustand seiner Wohnumgebung dürfte ein ganz besonderer Adlkofener verspühren, denn auch die beiden Biberteiche neben der Kreisstraße wurden kräftig in Mitleidenschaft gezogen. Wie sich der Dammbaumeister fühlt, wird allerdings

Biberweiher voll mit vom Starkregen eingetragenen Sedimenten und Mulch

Biberweiher voll mit vom Starkregen eingetragenen Mulch.

nur wenige Adlkofener wirklich interessieren, seine Anwesenheit gilt doch als eher lästig und störend, manche wünschen ihm gar die Pest an den Hals und sähen es lieber, wenn er sich schnellstens auf und davon machte. Beson- ders im letzten Winter hat er sich manchen Laubbaum mit seinen scharfen Zähnen vorgenommen, umgelegt und sich damit keine zusätzlichen Freunde gemacht. Was in dem Teich in besonders großer Menge nach dem Unwetter herumschwimmt und auffällt, ist – wie zu erfahren war – strohähnliches Häckselgut. Dieses würde von zahlreichen Landwirten auf die Maisfelder ausgebracht und soll – so unsere Information – bei Regenereignissen wie am letzten Donnerstag den schutzlos daliegenden Boden vor Abschwemmungen bewahren. Wenn diese Information richtig ist, müßte man sich schon die Frage stellen „wer hat’s erfunden?“. Was in Trockenperioden – auch das ist ein Wetterphänomen, mit dem wir in Bayern zunehmend konfrontiert sein werden – den Boden vor Austrocknung schützen mag, muß bei zu viel Wasser unweigerlich zum Bumerang werden.

Das Problem mit dem abgeschwemmten Erdreich und Mulch trifft die Landwirtschaft gleich doppelt: Was bei den offenen Anbauflächen – überwiegend für den Maisanbau vorbereitet und erst vor Kurzem ausgesät – von den Wassermassen mitgerissen wurde, liegt jetzt in anderen Feldern als schwere Last auf den Jungpflanzen und drückt sie auf den

Vom Wasser mitgerissenes Häckselgut aus Hecken und Waldrändern

Vom Wasser mitgerissenes Häcksel- und Schnittgut aus Hecken, Waldrändern und von Feldern.

Boden.  Ein Beispiel dazu gleich wenige Meter nach den Bibertei- chen in Richtung Adlkofen bei der Abzweigung nach Läuterkofen. Natürlich auch die schon erwähnte Wiese neben der Jenkofener  Bade- weiher-Zufahrt.

Was die einen zuviel nach einem solchen Starkregenereignis haben, fehlt anderen Landwirten: frucht- barer Ackerboden. Den schwemmt es insbesondere in Hanglagen von Feldern, deren Ackerkrume wie eine offene Wunde den Wassermassen schutzlos ausgeliefert ist.

Besonders sorgfältig mit ihren Böden springen dann auch noch jene Landwirte um, die frühzeitig vor der Aussaat ihre Böden schön mit Herbiziden gießen, um ja dem letzten ungewollten Kraut den Garaus zu machen und dabei nicht vor Grünstreifen entlang von Gräben oder flacheren Böschungen Halt machen. Auch ein solches Beispiel ist entlang der Kreisstraße am Adlkofener Ortsrand schräg gegenüber der Einmündung der Deutronic-Straße zu bewundern. Dort zieht sich ein Graben vom südwestlich gelegenen Waldsaum

Grabensaum vergiftet 1. Maiwoche

Die Angst vor zu wenig Profit führt zu okologischen aber auch ökonomischen Fehlern

geradewegs durch eine große Acker- fläche und teilt sie in je zwei, zu ihm hin abfallende Äcker.  Um jeden Quadratzentimeter Boden nutzen zu können, ist der den Graben begleitende Grünstreifen in den letzten Jahren immer schmäler geworden. Das Grün auf den wenigen, heuer noch verbliebenen Zentimetern entlang des Grabens  ist Tage vor dem Starkregenereignis mit der chemischen Giftkeule behandelt worden und abgestorben. Die gelben Streifen entlang des Grabens sind auf dem Bild

Jeder Quadratzentimeter vergiftet

Boden totspritzen – Sucht oder Hobby?

deutlich zu erkennen. Auch das Grün auf einer in den Acker hineinragenden Böschung wurde dank Monsanto und Bayer umweltfreundlich und biodiversitätsfördernd behandelt (Bild nebenstehend).

Nun wäre ein so schmaler Grünzug entlang des Grabens mit Sicherheit kein ausreichender Schutz zum Erhalt des Ackerbodens gewesen. Dazu müßte so ein Streifen schon breiter sein. Die Filterwirkung von Bodenbewuchs ist aber deutlich im Graben neben der Straße weiter südlich im vorherigen Teilstück der Straße zu sehen. Dort hat sich Erdreich stellenweise in

"Ackergold" aus dem Straßengraben muß als Sondermüll entsorgt werden.

„Ackergold“ aus dem Straßengraben muß als Sondermüll entsorgt werden.

größeren Mengen abgelagert, weil es vom Bewuchs des nicht gemähten Grabens stark zurückgehalten wurde. Das wird jetzt wieder ausgebaggert, aber nicht auf die Felder zurück gebracht, sondern entsorgt. Man weiß ja nicht, wo es herkommt, was es an Giftstoffen und Verunreinigungen mitgebracht hat.

Um diese Jahreszeit sind es in erster Linie Maisfelder, die von solchen Wetterereignissen in Mitleidenschaft gezogen werden. Dem Konzept der Erneuerbaren Energie Biogas sei Dank, haben wir in Niederbayer ja Maisfelder en masse. Vielleicht sollte sich in der Landwirtschaft allmählich der Gedanke durchsetzen, daß Hanglagen für den Maisanbau von der Bodenbonität her betrachtet, diesen zwar „locker hergeben“, der Erhalt wertvollen Ackerbodens auf Dauer jedoch die sinnvollere und auch lukrativere Form der Bewirtschaftung darstellen dürfte. Nicht Reibach auf kurze Sicht, sondern nachhaltige Bodenbewirtschaftung sichern den Betrieben die Zukunft. Oder wie das ein Landwirt bei

Löschwasserteich Schwatzkofen nach Starkregen

„Braune Brühe“ auch im Löschwasserteich von Schwatzkofen.

einer der letzten B15neu-Protestkundgebungen in Geisenhausen im letzten Jahr auch für unseren Fall treffend formuliert hatte: „Ich brauche meine Wiesen und Felder, Euros kann ich meinen Kühen nicht zum Fressen hinschmeißen!“ Insbesondere trifft das auch unter dem Gesichtspunkt weiterhin zunehmender Unwetterereignisse zu. Der Niederschlag über den mittleren und höheren Breiten der Nordhalbkugel hat im 20. Jahrhundert um 0,5 bis ein Prozent pro Jahrzehnt zugenommen, so die Aufzeichnungen der Meteorologen, wie der DWD mitteilt. Einig sind sich die Wissenschaftler auch und gerade im Hinblick auf die in Zukunft noch stärker eintreffenden Starkregenereignisse. Noch mehr Wasser in noch heftigerer und schlimmerer Ausprägung wird gerade auch für Deutschland erwartet.  Das, was an Christi Himmelfahrt, an vielen Stellen in der Gemeinde für Ereignisse wie auf diesen Bildern zu sehen und mancherorts in den Kellern der Wohnhäuser innerhalb der Gemeinde noch für Schlimmeres gesorgt hat, ist ja – und das sollte nicht vergessen werden – noch lange nicht die Spitze des schon erlebten sprichwörtlichen „Eisbergs“. Auf unsere Gemeinde bezogen, wären die Starkregenereignisse von 2013 da so ein Beispiel.

Es wird aber noch heftiger kommen: Eine Langzeitstudie über den Zeitraum der letzten 50 Jahre vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zum Trend in Deutschland kann da keinesfalls beruhigen. Es nimmt die Zahl der Tage mit extremen Niederschlägen ebenso zu, wie deren Intensität. Im Bundesdurchschnitt sind das rund 20 Prozent und worauf das Wort ja schon hinweist, es gibt regionale Unterschiede. Als wäre ein Fünftel mehr Wasser noch nicht genug, bekommt Süddeutschland dabei mit bis zu 50 Prozent mehr den Löwenanteil ab. Ein Trend mit Fortsetzung.

Um so wichtiger ist in diesem Zusammenhang für Adlkofen eine möglichst baldige Umsetzung eines Hochwasserschutzkonzeptes, an dem ja schon gearbeitet wird. Das würde bei jedem vergleichbaren Wetterereignis neben der Hochwasservermeidung beziehungs- weise Abschwächung für die Unterlieger an den Bächen Erleichterung, aber noch lange nicht Schutz für den einzelnen Acker bringen. Allerdings werden neben der Menge auch die Geschwindigkeit und damit die Kraft des Wasserablaufs reduziert. In Regenrückhalte-becken lagert sich zudem auch der mitgebrachte Ackerboden ab. Es müßte dann nur noch der Wille beim Gesetzgeber vorhanden sein, einen Weg zu finden, der es ermöglicht, den so zurück gehaltenen Ackerboden wieder auf die Felder ausbringen zu können, statt ihn wie Sondermüll entsorgen zu müssen.

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