Ruiniert – weil’s so üblich ist!

Heckenschutz auch für Bürgermeisterin Maurer Fremdwort – Wie qualifiziert ist der eingesetzte Fachbetrieb?

vorher-nachher-vergleich der feldhecke bei laeuterkofen

Oben: Die Läuterkofener Feldhecke im Spätherbst 2016 – Unten: ihre traurigen Reste im Februar 2017

Läuterkofen. Gewütet wie die Berserker hat ein sogenannter „Fachbetrieb“ letzte Woche in der Gemeindeflur Adlkofen. Auf Anweisung der Ersten Bürgermeisterin wurden bei einigen Feldhecken „Pflegemaßnahmen“ durchgeführt. Im Klartext hat das nichts anderes zu bedeuten, als sie wurden auf Jahre hinaus ihrer ökologischen Funktion beraubt und in wesentlichen Charaktermerkmalen vernichtet! Ein trauriges und um so aussagekräftigeres Beispiel hierfür die ursprünglich rund 230 Meter lange Hecke bei Läuterkofen, die erst vor rund drei Jahren einen zweifelhaften „Pflegeschnitt“ hatte über sich ergehen lassen müssen.

Im Frühjahr reichblühende Hundsrosen, eher bekannt als Heckenrosen, Wilder Schneeball, Hartriegel und immergrüner Liguster; im Herbst reicher Behang an kräftig sattroten Hagebutten und schwarzen Ligusterbeeren. Darüber, ab Ende August, ein zwar lichtes aber reichhaltiges Dach sich an den Ästen langsam von Gelb auf leuchtendes Scharlachrot umfärbender Vogelbeeren. Die Blüten im Frühjahr und Sommer nicht nur reich gedeckter Tisch für Honig- und Wildbienen, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten. Während des ganzen Jahres ist die Hecke auch Rückzugsgebiet und Schutzgürtel für allerlei Kleingetier, darunter Igel aber auch Niederwild wie Hase und Rebhühner.

fachmännische Heckenpflege a la Adlkofen

Aus der Landschaft getilgt – fachmännische Heckenpflege a la Adlkofen.

Es bietet kein anderes Biotop ein derart reichhaltiges Sortiment an Nahrungsmöglichkeiten. Dieses Nahrungsrefugium steht im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Nutzflächen wie zum Beispiel auf Ackerflächen praktisch das ganze Jahr über zur Verfügung. Die außerordentlich vielfältigen kleinklimatischen Bedingungen und gestuften Pflanzenstrukturen auf engstem Raum erlauben eine sehr verschiedenartige Nutzung durch die Tierwelt und dadurch eine außerordentlich hohe Artenzahl. Das Stichwort wäre hier „Biodiversität“ oder der weltweite Kampf gegen den drastischen Artenschwund.

Daß die Hecke vom Ortsende entlang der Verbindungsstraße von Läuterkofen vor zur Kreisstraße LA 3 auch für Spaziergänger und Wanderer zu jeder Jahreszeit ihren Reiz hatte, haben uns in den letzten Tagen einige verärgerte Gemeindebürger bestätigt, die mich auf den Heckenfrevel angesprochen haben.

Seit letzter Woche ist es also vorbei mit dieser Pracht und einer ökologisch besonders wertvollen Feldhecke auf Adlkofener Gemeindegebiet. Im Auftrag des Rathauses wurde dieser Mosaikstein gesamtbayerischer Biodiversitätsbestrebungen – für die der Freistaat jährlich einen nicht unerheblichen Betrag aufwendet – zusammen mit weiteren Hecken im Gemeindegebiet gründlich zerstört. Die traurigen Reste im Fall Läuterkofen befinden sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Acker.

Bei einem zufälligen Treffen am Samstagvormittag auf den anti-ökologischen Wahnsinn angesprochen, reagierte Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer erst einmal mit Gelassenheit und Verwunderung. Schließlich sei Heckenpflege – Sie lesen richtig, „Heckenpflege“ – wichtig, um die Hecken zu erhalten und eine Hecke „auf Stock zu setzen“ dabei die übliche Vorgehensweise. Außerdem habe man, da die Bauhof-Mitarbeiter wegen der laufenden Renovierungsarbeiten und den dabei anfallenden Möbelrückereien dringend im Rathaus benötigt wurden, eine Fachfirma mit der Heckenpflege beauftragt. Die wisse schließlich auch, wie das richtig gemacht werde! Und es sei auch ein Angehöriger der Unteren Naturschutzbehörde vor Ort gewesen und habe die „Pflegemaßnahmen“ für erforderlich gehalten und abgesegnet. Die Hecke werde, so die Bürgermeisterin beschwichtigend, „nachwachsen und die gefällten Bäume sind faul gewesen“.

kernefaeule - erst nach der baumfaellung entdeckt

Einer der beiden „Alibistümpfe“ – von außen war es dem Baum sicher nicht anzusehen…

„Faule Ausreden“ ist alles, was einem dazu einfällt. Tatsächlich waren zwei der Baumstämme im Inneren von beginnender Kernfäule betroffen. Die zurückgebliebenen Baumstümpfe belegen das. Jedoch keineswegs so, daß sie eine Gefahr dargestellt und nicht doch noch manchem Sturm hätten trotzen können. Aber selbst Totholz hat wichtige Funktionen für die Biodiversität eines Lebensraumes Hecke und soll nach Vorgaben des Kultur- und Landschaftspflegeprogramms nicht vollständig aus den Hecken entfernt werden. Wenn aus Gründen von Verkehrssicherheit erforderlich, kappt man solche Bäume etwa auf Mannshöhe und läßt den Rest stehen. So viel Sachverstand sollte man bei einem „Fachbetrieb“ eigentlich voraussetzen können.

Maßnahmen der Heckenpflege werden, wie es zum Beispiel das Bayerische Landwirtschaftsministerium in seinen Beihilferichtlinien zu KULAP beschreibt, nach naturschutzfachlichen Anforderungen in einem mehrjährigen Turnus durchgeführt. Dazu gehört auch das „abschnittsweise auf Stock setzen der Hecke“. Die Betonung liegt auf „abschnittsweise“, denn wie das Ministerium ferner feststellt, soll Heckenpflege den Erhalt intakter und funktionsfähiger Hecken sicherstellen.

So ein Abschnitt beträgt im Idealfall maximal 10 Meter, jedoch selten mehr als zwanzig. Zahlreiche weitere Publikationen von wirklich fachlich beschlagenen Stellen belegen das. Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) schreibt beispielsweise in ihrer Zeitschrift „Anliegen Natur“, Heft 37 (2) aus dem Jahr 2015 „Großflächige und zu niedrig angesetzte Gehölzrückschnitte können Hecken erheblich schädigen“. Ferner heißt es in der Ausgabe „die rechtlichen Rahmenbedingen für Gehölzschnitte in freier Feldflur sind klar geregelt: So enthält Artikel 16 des Bayerischen Naturschutzgesetzes (BayNatSchG 2011) das Verbot, Hecken, lebende Zäune, Feldgehölze oder -gebüsche einschließlich Ufergehölze und -gebüsche erheblich zu beeinträchtigen“. Eine Hecke von über 200 Metern Länge bis auf zwei Hand voll Bäume und Sträucher platt zu machen ist sicher eine „erhebliche Beeinträchtigung“.

Maßnahmen der Heckenpflege werden darüber hinaus in einem mehrjährigen Turnus durchgeführt, um genau das zu verhindern, was wieder einmal in der Adlkofener Gemeindeflur geschehen ist: Feldhecken auf Jahre hinaus ihrer ökologischen Schutzfunktionen zu berauben, wenn nicht gar sie für immer zu zerstören, nach dem Motto „wirft Schatten – hau weg das Ding“! Im nachfolgenden Beispiel ist zu sehen, wie Heckenpflege von Fachleuten vorgenommen wird, die ihr Handwerk verstehen und sich nicht nur „Fachmann“ schimpfen, weil sie eine Heckenschere und Motorsäge bedienen können:

Bei Rathauschefs, die solche Maßnahmen in Auftrag geben, möchte man dann zumindest ansatzweise auch ein gewisses Grundwissen über Heckenpflege voraussetzen. Ein etwas längerer Blick in ein paar Publikationen von echten Fachstellen und des Freistaates wäre dafür ausreichend – interessieren muß man sich halt dafür! Das hinterhältig-argumentative an der Geschichte ist zudem die Tatsache, daß diese beiden nur durch ihre Fällung aufgeflogenen kränklichen Bäume jetzt als Rechtfertigung dafür herhalten sollen, daß man bis auf zwei Exemplare den gesamten Bestand an Ebereschen in der Hecke weitgehend gefällt hat. Zwei Exemplare sind übrig. Ausgerechnet jene Baumart, die als besonders erhaltenswert in Feldhecken gilt. Das waren unter anderem immerhin acht dieser als Baum des Jahres 1997 ausgezeichneten Vogelbeer-Bäume von halbhohen Wuchs.

Auf rund 230 Metern Länge sind von dem einstigen Heckenbewuchs nicht einmal ein Dutzend niedrige Bäume übrig geblieben. Das Strauchwerk selbst ist auf rund 15 Exemplare mit Riesenlücken geschrumpft und selbst diese Sträucher wurden bis auf vereinzelte kümmerliche Triebe „gepflegt“.

die hohe kunst fachmaennischer heckenpflege sieht anders aus

Die fachmännisch ausgeübte hohe Kunst der Heckenpflege sieht unbestreitbnar anders aus wie hier bei Läuterkofen.

Was von dem „Fachbetrieb“ zu halten ist, der mit der Durchführung der „Pflegemaßnahmen“ hier bei Läuterkofen und den anderen Stellen in der Adlkofener Gemeindeflur beauftragt war, belegen Fotovergleiche mit tatsächlich fachmännisch gepflegten Hecken, siehe nachstehendes Bild Schlehenhecke Adlhausen. Bei den Arbeiten zumindest in Läuterkofen wurde gegen alle Regeln der Heckenpflegekunst verstoßen, die man kennt.

„Auf-Stock-setzen“: Diese Schlehenhecke bei Adlhausen im Landkreis Kelheim wurde nach ca. 25 Jahren „auf Stock“ gesetzt. Links im Bild ist vierjähriger Aufwuchs, in der Bildmitte ein etwa 25 Meter langer Abschnitt mit einjährigem Aufwuchs zu sehen Im Hintergrund rechts die Hecke in ihrem ursprünglichen Wuchs.(Foto:  Bayerische Landesanstalt für Landwirt-schaft).

Schließen wir uns der Argumentation der Adlkofener Bürgermeisterin an, wird also die Hecke „nachwachsen“. Wenn das in dem atemberaubenden Tempo geschieht, wie am westlichen Ortseingang von Adlkofen, wird das in den nächsten zehn Jahren kaum etwas werden. Dort hatte das Straßenbauamt die zwischen den verbliebenen Bäumen wachsende Hecke 2013/14 ebenfalls „auf Stock“ gesetzt. Nachgewachsen ist dort bis heute nichts, nicht einmal ein kümmerlicher Wassertrieb. Die gefällten Ebereschen bei Läuterkofen sind ohnehin verloren, da es bei Bäumen nur selten einen Stockaustrieb gibt und Ebereschen nicht zu solchen Baumarten zählen. Es wäre wünschenswert, wenn die Adlkofener Rathauschefin Einsicht zeigen und entsprechende Neuanpflanzungen von  adäquater Qualität und Wuchshöhe vornehmen lassen würde und diese „Hecken-Wiederbelebungsmaßnahme“ dann nicht auf den Standort Läuterkofen beschränkt bliebe.

Wie Bürgermeisterin Maurer in dem mit ihr geführten Gespräch selbst hervor hob, sind letzte Woche an mehreren Stellen im Gemeindegebiet weitere Hecken „auf-Stock gesetzt“ worden. Es steht zu befürchten, daß auch diese Hecken dem Läuterkofener Muster folgend, fachmännisch zu Tode gepflegt wurden. Als Fazit bleibt vorerst nur die Feststellung, daß der Anti-Biodiversitäts-Wahnsinn mit dem Chefsessel im Adlkofener Rathaus untrennbar verbunden scheint und die Zerstörung natürlicher Lebensräume auch in der Nach-Scharf-Ära ungebremst weiter geht. Es gibt dazu noch ein weiteres Beispiel, mit dem wir uns in einem weiteren Beitrag beschäftigen werden.

Heckenpflege – Faltblatt des Landschaftspflegeverbandes Neumarkt/Oberpfalz zur Erhaltung und Sicherung eines optimalen Bestandes

Heckenpflege – Fachdienst Naturschutz Baden-Württemberg

Weitere Quellen:
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
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