Rückgabe nicht erforderlich…

„…dieses eBook zerstört sich von alleine!“

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Adlkofen. Wie bei „Charly“ oder 007 – „merken Sie sich den Inhalt, in fünf Sekunden zerstört sich dieses eBook von alleine!“ und schwups, schon geht alles in Rauch auf, inklusive iPad, Reader oder PC. Naja, nicht ganz so wild und doch: Die eBooks aus der  „Onleihe*„, der neuesten Errungenschaft der Adlkofener Gemeindebücherei haben tatsächlich ein Verfalldatum, wie Büchereileiterin Martina Remberg den Gemeinderäten bei der Vorstellung des elektronischen Medienangebotes und seiner technischen Handhabung in der letzten Gemeinderatssitzung erläuterte. Nach Ablauf der Verleihfrist läßt sich so ein eBook einfach nicht mehr öffnen. An die Stelle der Rückgabe in der Bücherei tritt die Löschtaste.

7.000 Medien stehen derzeit für die Online-Ausleihe zur Verfügung. Darunter Kinderbü- cher (1.061 Titel)  und Jugendbücher (995), Schule und Lernen (27); Sachmedien und Ratgeber (1.726) sowie 3.280 Titel unter Belletristik und Unterhaltung. Ein großer Teil natürlich auch als Hörbücher beziehungswise eMagazine, also Zeitschriften. „Frau im Spiegel“ und „Brigitte“ auf dem Kindle; ein“Eisiges Geheimnis“ mit dem Stöpsel im Ohr – was würde sich wohl der gute alte Johannes Gensfleisch dabei denken, den alle Welt als Gutenberg kennt? An den Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern verschwendete bei der Gelegenheit allerdings vermutlich niemad einen Gedanken, wie gebannt verfolgten die Gemeinderäte das über Beamer auf die Leinwand projezierte Bild und Martina Rembergs Erläuterungen dazu.

Okay – Kultur ist das Eine, Lesen im 21. Jahrhundert das Andere. Das gute alte Buch mag altmodisch und gewichtig sein, dafür ist es einfach in der Handhabung. In die Hände nehmen, aufschlagen, lesen. Ganz so einfach geht das mit den elektronischen Medien nicht, zumindest nicht beim ersten Mal. 31 Seiten umfaßt der eBook-Ratgeber für Einsteiger von Timm Riedl und Christoph Kaeder, den es für die Gemeinderäte und Zuhörer im Sitzungssall zu den Informationen gratis mit dazu gab. Und den man sich tatsächlich erst einmal zu Gemüte führen sollte, ehe man mit dem Gedanken an das Ausleihen spielt. Es sei denn, man ist ein absoluter Computerfreak und hat schon alles eingerichtet, was ja vorkommen soll. Wenn nicht, gibt es hierzu den Spezialreport: „Step by step – eBooks auf PC und anderen Geräten“. Natürlich auch in der Bücherei.

Eine absolute Kuriosität dieser Ausleihgeschichte ist die – obwohl digital – nur begrenzt zur Verfügung stehende Stückzahl der Medien. Zeitschriften und Bücher in der Bibliothek sind selbstverständlich nur in einer gewissen Anzahl vorhanden. Ist die Nachfrage stärker, kommt es zu Wartezeiten, bis der gefragte Titel wieder zur Verfügung steht. Das dies allerdings auch bei elektronischen Exemplaren so eingerichtet wird, bleibt unverständlich. Ein eBook ist ja in der Regel nichts anderes als eine pdf-Datei, warum die nur drei oder vier Mal herunter geladen werden kann, bleibt rätselhaft. Technisch bedingt ist diese Einschränkung jedenfalls nicht und interessanter wird die digitale Ausleihe damit ebenfalls nicht. Mit Absicht eingebauter Nachbesserungsbedarf im Programmdesign, um mit einem Update ein zweites Mal beim Auftraggeber abzukassieren?

Um das Online-Angebot der im Verbund „eMedienBayern“ zusammengefaßten Büchereien nutzen zu können, benötgt der Leser einen PC, ein Smartphone oder ein Tablet mit Internetzugang und einen gültigen Ausweis der Bibliothek. Die zum Lesen auf den Geräten benötigten Programme sind der „Adobe Reader“ oder „Adobe Digital Edition“ für Textdateien sowie für die Video- und Audiodateien der „Windows Media Player“. Diese Hilfsprogramme können auf der Startseite des Ausleihportals „eMedienBayern“ kostenlos herunter geladen werden. Ebenso kostenlos ist die „Onleihe“-App für Tablet und Smartphones erhältlich. Audio-Dateien sind auch auf einem DRM-fähigen MP3-Player nutzbar.

Bleibt zu guter Letzt, wie auch im Gemeinderat, die Frage der Kosten für den Nutzer. Das Herunterladen von digitalen Medien aus dem Angebot von „eMedienBayern“ ist für Ausleiher mit gültigem Bibliotheksausweis kostenlos. Ohne der Nummer eines solchen Ausweises geht ohnehin nichts, denn neben dem Namen der Bibliothek und dem persönlichen Kennwort wird sie für die Anmeldung beim Portal benötigt. Mahngebühren für ein Überschreiten der Ausleihzeit fallen ebenfalls nicht an – wie schon gesagt: am Ende zerstört sich die Datei von alleine… 


(*) eine unmögliche Wortkreation in feinstem Denglisch die künftig, weil man schließlich nicht jede Sprachverhunzung mitmachen muß, durch „Online-Ausleihe“ ersetzt wird.

kultur-speicher.de

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