Roßberg und Aigner Wiese: Die Natur stirbt leise und langsam

Es geht schon lange nicht mehr nur um den Wachtelkönig

abtransport des Mulchs zur kompostierung
Mulch nur abrechen reicht nicht, er muß auch entsorgt werden. Gott sei Dank gab es dafür einen Helfer!

Adlkofen. Aufmerksamkeit über die Gemeindegrenzen von Adlkofen hinaus, findet derzeit die in Roßberg beziehungsweise auf der Aigner Wiese laufende Biotop-Rettungsaktion. Hört sich dramatisch an, sieht meist unspektakulär aus, hat großen Einfluß auf die Entwicklung der dortigen Pflanzenwelt. Das ist leider noch nicht bis in alle Köpfe der Adlkofener vorgedrungen. Spricht man mit Menschen aus dem Ort, von denen man sich eigentlich helfende Hände hätte erwarten können, bekommt man immer wieder ein und dasselbe Argument zu hören: „Warum soll man da was machen, da wurde schon immer gemulcht“!

Das ist, zum Teil jedenfalls, richtig, belegt aber auch genau das, warum es mit der Mulcherei nicht weitergehen darf. Der an Aign angrenzende Biotophang war lange Jahre im Vertragsnaturschutz und wurde während dieser Zeit nicht gemulcht. Das muß an dieser Stelle schon einmal richtig gestellt werden. Erst in den letzten beiden Jahren war diese vertragliche Bindung ausgelaufen und das Mähgut wurde seither wieder liegen gelassen. Die Folge davon war in den letzten Jahren bereits feststellbar: Ein Rückgang nicht unbedingt der Arten, aber ihrer Häufigkeit. Und das teilweise drastisch! „Die Natur stirbt leise und langsam – eines Tages ist sie halt nicht mehr da“, hatte das Artensterben der Fachmann für Naturerfahrungsräume Robert Beringer in seinem Vortrag im Adlkofener Gemeinderat umschrieben und damit die Räte zum Überlegen gebracht; sie mit dieser Schilderung positiv auf das Projekt eines Naturlehrpfades eingestimmt.

Genau die Situation des „langsamen Sterbens“ ist heuer in Roßberg verschärft eingetreten, da dem Wiesenschnitt eine längere Regenperiode folgte, das Schnittgut nicht abtrocknen konnte und so nicht als Heu liegen blieb. Von Wind und Regen auf den Boden gedrückt, begann es schnell zu faulen. Gärsäfte und Stickstoff drangen in den Boden ein und haben mit hoher Wahrscheinlichkeit die dort wachsenden, geschützten Wildblumen ein weiteres Mal geschädigt. Das Ausmaß des Schadens wird sich erst im Frühjahr des kommenden Jahres zeigen und damit auch Erfolg oder Mißerfolg der nunmehr bereits eine Woche andauernden Biotop-Rettungsaktion.

Auf dem Gelände des beabsichtigten Baugebietes Roßberg ist die Situation derzeit weniger bedrohlich. Zwar wurde mit dem Bau des unteren Regenrückhaltebeckens, wie schon berichtet, ein kleiner Bestand Zittergras vernichtet (richtig Frau Bürgermeisterin, im Gegensatz zu Ihnen glaube ich der Adlkofenerin, die mir davon berichtete, auch ohne Zittergras-Beweisfoto) und mindestens zwei Quellen, eine Gefahr durch Mulchen besteht jedoch nicht. Derweil zeigt sich die Artenvielfalt auch auf diesem Gelände in immer neuen Facetten und in einer Fülle, da möchte man schon fast nicht mehr darüber berichten. Zu groß erscheint einem die Gefahr, sich dem Vorwurf auszusetzen, jetzt, wo’s „um die Wurst“ für das Biotop Roßberg geht, würde man wie durch Zauberhand stets neue Arten (er)finden. Wenn man aber so wie am Freitagnachmittag, direkt mit der Nase auf die dort herrschende Artenvielfalt gestoßen wird, kann man nicht anders, wie darüber zu schreiben.

Bei der Suche, ob sich nicht doch noch ein paar Zittergrashalme abseits des Regenrückhaltebeckens finden lassen, springt plötzlich mit einem typischen fipsenden Ruf ein kleines, mausgroßes, schwarzes Tier, wieselflink in den Bach, schwimmt zum gegenüberliegenden Ufer, taucht ab und ward, zumindest an diesem Tag, nicht mehr gesehen. Es gibt nur zwei Säugeiere von Mausgröße in Bayern, welche sich schwimmend und tauchend im Wasser fortbewegen – die Wasserspitz- oder die Sumpfspitzmaus. Da bislang weder von der einen noch der anderen im Zusammenhang mit dem Biotop Roßberg berichtet wurde, handelt es sich hiermit also um eine weitere „neue Art“. Egal, ob Wasser- oder Sumpf- sie sind in der Roten Liste Bayern in der Vorwarnstufe verzeichnet und es gilt sie zu schützen. Leider war die Maus so flink, daß keine Zeit für ein Foto blieb…

wildes stiefmuetterchen im rossberg-biotop
Neu entdeckt im Roßberg-Biotop: Wildes Stiefmütterchen

Nicht davontauchen konnte eine andere, bis dato noch nicht in einer Liste von Roßberg in Erscheinung getretene Art: das Wilde Stiefmütterchen. Nicht in der Variante tricolor, sondern gelblich-weiß. Es könnte also auch das Gelbe Alpen-Veilchen sein – aber wie käme das nach Roßberg? Ob es sich dabei etwa um einen Gartenflüchtling oder tatsächlich um eine wilde Art handelt, muß und wird geklärt werden.

Wie inzwischen mehrfach von Bürgermeisterin Maurer gegenüber verschiedenen Personen geäußert, soll Roßberg jetzt doch kartiert werden. Ein solcher Schritt ist die unverzichtbare Voraussetzung, um ein Gelände naturschutzrechtlich beurteilen zu können. Eine solche Biotopkartierung wäre dann ein Etappensieg für die Adlkofener Einwohner, die sich mit ihren Einwendungen für genau ein solches Vorgehen stark gemacht haben. Die von Bürgermeisterin Maurer der Redaktion gegenüber geäußerte Einschränkung, dann werde es halt ein paar Abstriche beim Umfang des Baugebietes geben, zeigt deutlich, daß es im Adlkofener Rathaus doch noch große Defizite in Sachen Naturverständnis gibt. Da zudem der von allen Seiten extrem bedrängte Artenschutz mit seinem unverzichtbaren Flächen- beziehungsweise Biotopbedarf keinerlei Kuhhandel , sprich faule Kompromisse mehr verträgt, muß ein solcher gerade auch für Roßberg kategorisch ausgeschlossen werden. Ein bißchen „Naturschutz“ und ein bißchen „Doch-Häuslebauen“ darf es an dieser Stelle unter keinen Umständen geben!

„Gib doch diesem Gehör, o Hiob;

Steh still, und achte auf die wunderbaren Werke Gottes“

Hiob 37:14

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