Ratssitzung: Wieder Galavorstellung der Irrlichter

Machen sich Gemeinderäte fahrläßiger bis vorsätzlich schwerer Körperverletzung schuldig?

Plan SondergebietAdlkofen. Was macht ein CSU-Gemeinderat, wenn er für eine Sache und auch noch für das konkrete Projekt eines Investors ist? Genau – er stimmt dagegen und bildet sich womöglich ein, daß dies ausgenommen schlau ist! Glauben Sie nicht? Na dann fragen Sie mal den Gemeinderat und CSU-Fraktionschef Bernhard Westermeier, der kann das. Wer derlei Kuriositäten erleben möchte, geht unter normalen Umständen in ein bairisches Laientheater, da werden in der nahenden Herbstzeit gerne solche Stück’l aufgeführt. Die Alternative mit realem Hintergrund dazu wäre ein Besuch einer Sitzung des Adlkofener Gemeinderates, den man jedem wahlberechtigten Adlkofener nur wärmstens an’s Herz legen kann. Aber Vorsicht – nur bei bester körperlich-geistiger Konstitution, denn es kann gesundheitsgefährdend werden! Insbesondere, wenn Beschlüsse zum geplanten Sondergebiet „Einzelhandel“ auf der Tagesordnung stehen. So wie das vergangenen Montag der Fall war. Die Unterschiede zum Bauerntheater sind damit deutlich umrissen: Das eine ist herzerfrischend und lustig, das andere eine ziemlich hirnlos argumentierende Unverschämtheit und darüber hinaus durch den streßig-nervenden, jeden gesunden Menschenverstand ausblendenden Quälfaktor fahrlässige bis vorsätzlich schwere Körperverletzung an Leib und Leben der Bürgermeisterin und der Zuhörer. Es gefriert Ihnen garantiert das Lachen, wenn sie die verbalen Verrenkungen bar jeder Vernunft mit anhören müssen, die bestimmte Leute von sich geben, wenn sie Lobbyinteressen statt Gemeinwohl vorne anstellen. Noch vor neun Monaten, im Oktober 2015, hatte sich Westermeier für das Projekt am geplanten Standort ausgesprochen. Zitat Westermeier: „„Alles in allem handelt es sich um ein Investitionsvorhaben, dem man sich im Interesse der Gemeinde nicht verschließen darf“.

Tankstelle nur in Verbindung mit Einkaufsmarkt

Damit er da nicht falsch verstanden wird, wie der CSU-Fraktionschef jetzt wieder mehrfach herausstellte, um sein diffuses „Pro-Einzelhandel-Verhinderungs-Plädoyer“ zu untermauern und jetzt Sie, beim Lesen dieser Zeilen, keinen falschen Eindruck gewinnen, ist es erforderlich, Hintergründe und Absichten der Westermeiergetreuen in der letzten Sitzung genauer zu beleuchten. In mindestens zwei zu diesem Projekt vorausgegangenen Ratssitzungen waren die versammelten Gemeinderäte von Bürgermeisterin Maurer nämlich darüber informiert worden, daß in Adlkofen kein anderer Standort auf absehbare Zeit für einen Supermarkt und die Tankstelle möglich ist. Auch war der Gemeinderat informiert, daß der Tankstellen-Investor sein Vorhaben nur in Verbindung mit dem Einkaufsmarkt durchziehen wird. Das war mehrfach im Gemeinderat als auch in persönlichen Gesprächen mit dem Investor von diesem unmißverständlich zum Ausdruck gebracht worden. Selbst in der CSU, für die Westermeier jetzt in einem Nebensatz während der Diskussion am Montagabend in Anspruch nahm, sie habe sich bei den Investoren richtig eingespreizt, um dieses Projekt in Adlkofen verwirklicht zu bekommen, hätte man dann ja alleine schon auf Grund dieser Behauptung davon wissen müssen. Westermeier tat und argumenterte jedenfalls so, als wüßte er von nichts.

Was ein Hilfsschüler versteht – aber nicht alle in der CSU

Zur Begründung für den jetzigen Standort hatte jedenfalls die Bürgermeisterin immer angeführt, was vom anwesenden Planer Petzold auch am Montag bei der Besprechung des Bebauungsplans und der erhobenen Einwände in der Sitzung noch einmal herausgestellt wurde. Nämlich, daß der Landesentwicklungsplan zwingend die „fußläufige Erreichbarkeit“ und eine unmittelbare Nähe zur Wohnbebauung für solche Einzelhandelsprojekte vorschreibt. Ist die nicht gegeben, hätte das Projekt keinerlei Chance, von den Aufsichtsbehörden genehmigt zu werden. Diese einfache Formel „Wenn das nicht, dann das andere auch nicht“, ist sicher im normalen Leben auch einem Hilfsschüler vermittelbar. Ein Teil der CSU-Gemeinderäte hat da so sein Problem damit.

Erschwerend für eine Rechtfertigung des völlig irrationalen Verhaltens einiger Gemeinderäte in Adlkofen kommt hinzu – auch das wurde am Montag nicht zum ersten Mal von der Bürgermeisterin zur Sprache gebracht – daß an anderen für das Projekt noch denkbaren Stellen, keine Verkaufsbereitschaft seitens der Grundstückseigentümer besteht. Wer eine solche Feststellung trifft, muß gefragt haben.

Logisch sollte ferner sein, daß dort, wo es keinen Quadratmeter Boden zu kaufen gibt oder die Regierung dem Projekt einen Strich durch die Rechnung machen würde, weder der neue Netto-Markt noch die Tankstelle gebaut werden können und es darüber auch keines Gutachtens bedarf. Einem Bernhard Westermeier als CSU-Wortführer erschließt sich solchermaßen Zwang jedoch keinesfalls, denn er vermißte ein solches Gutachten zu anderen Standorten und warf damit indirekt der Verwaltung und der Bürgermeisterin vor, keine Alternativen geprüft zu haben.

Zuhören wäre hilfreich

Wer die über Monate hinweg erfolgten wichtigen Informationen dennoch als Grundlage zu einer anstehenden Entscheidung vermißt, hätte gerade als vorausschauend handelnder Gemeinderat – das will Westermeier bestimmt sein – auch einfach mal fragen können. In einer öffentlichen oder auch nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung oder aber bei einer persönlichen Vorsprache im Rathaus. Gemeinderätin Rosi Aimer (CSU/Einigkeit), die scheint’s dem gleichen Irrtum erlegen ist, hatte da etwas mehr Einsicht in die eigenen Fehler und versuchte Westermeier mit den Worten zu beschwichtigen: „Bernhard da haben wir einfach versäumt nachzufragen“. Richtig wäre allerdings gewesen, wenn sie die Feststellung getroffen hätte „wir haben versäumt (Vorsicht  werte betroffene Gemeinderäte, jetzt kommt ein Fremdwort) zuzuhören“!

Westermeier favorisiert chancenlosen Standort

Davon unbeirrt, gab Westermeier nunmehr seine Vorstellungen für das Projekt zum Besten. „Ich kann mir das am anderen Ortsende Richtung Wölflkofen raus, sehr viel besser vorstellen und glaube auch, daß der Standort aus Sicht der Investoren besser geeignet wäre. Alleine schon mit Blick auf die sich abzeichnende Trasse der B15 neu“. Im übrigen könne er sich nicht vorstellen, daß gerade für eine Tankstelle nicht auch noch andere Flächen im Dorf vorteilhafter wären. Den Investoren legte er nahe, sie wären sicher gut beraten, sich nochmal Gedanken zu machen. Den Gemeindratskollegen hingegen empfahl er, „dieses Sahnestückchen von Gelände für eine andere Art der Bebauung“ aufzubewahren und den vom Gemeinderat beschlossenen Bebauungs- und Grünordnungsplan zur Makulatur zu erklären.

„I ko’nan nimma hör’n“!

Ausgerechnet der mit umwerfender Logik hantierende und zu Werke gehende CSU-Fraktionschef – Sie erinnern sich an die Stichworte „Wohnbebauung“ und „fußläufig“ – zerbricht sich der Investoren Kopf. Alleine der Gedanke ist tragisch und erheiternd zugleich. Daß Westermeier für seine dermaßen unlogische und Fakten ausblendende Argumentation die Unterstützung des SPD-Gemeinderates Hubertus Werner erntete, der wie meist, auch in diesem Fall glaubte, „sich erinnern zu können“, überrascht sicher nur noch wenige Adlkofener. Wie gesagt, ein Regisseur für eine komische Drameninszenierung auf einer Laienbühne könnt’s nicht besser hinbekommen. Dort allerdings würden sich an dieser Stelle die Zuhörerkommentare in lautem Lachen Bahn brechen und sicher weniger verhalten ausfallen als im Sitzungssaal. „Ja mei, der scho wieda“, „i ko nan nimma hörn“ oder „wenn nur grad der amoi stand war“ gingen die Kommentare raunend durch die vollbesetzten Stulreihen der Zuhörer. Andere hatten nur noch ein vielsagendes Grinsen beim Blick in das Gesicht des Gegenübers oder ein bedauerndes Kopfschütteln…

„Pokern um den Supermarkt“ – mit der Überschrift hatte ich meinen ersten Bericht zu dem Projekt „Netto-Markt und Tankstelle“ im letzten Jahr versehen. Wie eine Pokerrunde würde auch die Auseinandersetzung um dieses Projekt nicht mit „einem Spiel“, sprich mit einer Ratssitzung, erledigt sein. Schon aus der ersten Diskussion im Gremium war damals deutlich geworden, daß hier Weltanschauungen und persönliche Interessen aufeinander prallen würden, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Eine endgültige Entscheidung würde mehrere Ratssitzungen und Diskussionsrunden benötigen. Daß sich aber Gemeinderäte mit ihrer Meinung von Sitzug zu Sitzung drehen wie ein Fähnchen im Wind, hat es so extrem selbst in Adlkofen noch nicht gegeben.

Argumente, die keine sind

Als sich die Adlkofener in der von Bürgermeisterin Maurer 2015 initiierten Bürgerbefragung mit knapp 75 Prozent der abgegebenen Stimme für den Markt-Neubau und die Tankstelle genau in dem jetzt geplanten Sondergebiet ausgesprochen hatten, wäre es normal gewesen, das Projekt „Einzelhandel“ für Adlkofen in trockenen Tüchern zu wähnen (Was Hubertus Werner damals mit den Worten „ja da kann man doch schon gar nicht mehr anders, als zustimmen“ kommentiert hatte). Erst recht nachdem der Gemeinderat am 14. Dezember 2015 den Aufstellungsbeschluß für den erforderlichen Bebauungsplan gefaßt hatte. Jedoch weit gefehlt, es gab und gibt weiteren Streit im Gemeinderat. Von den Projektgegnern befeuert mit Argumenten, die die Realität ausblenden.

Wie doof sind die Adlkofener?

Das Tauziehen beziehunsgweise der Poker scheint noch nicht beendet. Sogar das Ergebnis der Bürgerbefragung zog Bernhard Westermeier in der letzten Gemeinderatssitzung jetzt ebenfalls in Zweifel und schreckte nicht davor zurück, Teile der Adlkofener Bürgerschaft – sagen wir es mal so – geistig etwas umnachtet zu sehen. Er kann sich nicht vorstellen, „daß jeder, der da zugestimmt hat, sich über den Standort bewußt war und wirklich gewußt hat, für was er sich da ausspricht“ so Westermeier. Obwohl der Standort ausdrücklich benannt war? Anspielend auf eine eingegangene private Stellungnahme aus der frühzeitigen Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit zur Planfassung vom 28. April diesen Jahres meinte er, „es muß völlig legitim sein, seine Meinung und Haltung zu dem Projekt zu ändern.“

Westermeier wird böse

Diese private, das Projekt am vorgesehenen Standort rundweg ablehnende Stellungnahme, von einem Juristen mit Vertretungsvollmacht verfaßt und 46 weitere, mit verkürzt kopiertem Text bei der Gemeinde eingegangene Schreiben, hatte auch 2. Bürgermeister Valentin Petermaier angesprochen. In einem kurzen Redebeitrag ohne Namen zu nennen oder Beteiligte persönlich anzusprechen, hatte er diese gesteuerte Aktion mit den Worten „wir wissen doch alle wie wir hier sitzen, aus welcher Ecke das kommt“ kommentiert. Die Wortmeldung von Petermaier wäre eigentlich nicht weiter erwähnenswert gewesen, hätte sie nicht Westermeier in den falschen Hals bekommen und Dinge herausgehört, die Petermaier nicht gesagt hatte. Er attackierte Petermaier in seiner darauf folgenden Wortmeldung mit scharfen Worten und drohte diesem mit dem Rechtsanwalt. Er lasse sich nicht nachsagen, hier irgendwelche persönlichen Dinge vor das Allgemeinwohl zu stellen, so Westermeier. Das habe es bei ihm noch nie gegeben. Da ihm das niemand unterstellt hatte, blieb dem unbeteiligten Zuhörer nur der spontane Gedanke an die Redensart vom Schelm, der so denkt, wie er ist und dem Zweiten Bürgermeister Schweigen, um die Auseinandersetzung nicht weiter eskalieren zu lassen. G’juckt hätt’s den Petermaier Valentin schon noch einmal, da d’rauf was zu sagen. Man hat’s ihm angesehen…

„Habe immer nur das Wohl der Allgemeinheit im Auge“

Contenance, contenance – bewahren sie Haltung, möchte man da in die Arena rufen. Aber davon ist die Adlkofener Verhindererfraktion aus der schwarz-roten Kombiecke weit entfernt. Bürgermeisterin Maurer gräbt ihnen immer mehr das Wasser für unsinnige Diskussionen ab und läßt sie in’s Leere laufen. Was deren Gemüter wieder ungemein zu neuem Widerspruch befeuert. Für Gemeinderat Westermeier, der immer bei seinen Ratsentscheidungen, so jedenfalls seine persönliche unverhohlene Einschätzung am Montag, „das Wohl der Allgemeinheit und nie das einzelner Personen im Auge hatte und hat“, gibt es ganz sicher in diesem Fall auch keine verwandtschaftlichen Gründe, dafür zu sein, aber dagegen zu stimmen. Daß auf der anderen Straßenseite vom Sondergebiet seine Verwandtschaft wohnt, hat sicher nichts zu sagen und ist halt Zufall. Ganz sicher auch, daß dieser Anlieger bereits mit Klage gedroht hat und vermutlich auch der sein dürfte, welcher den Juristen mit der Stellungnahme beauftragt hat.

Fremdkörper inmitten der Wohnbebauung

Wie die Klage in etwa aussehen könnte, ist der von diesem Juristen formulierten Stellungnahme aus der Öffentlichkeitsbeteiligung zu entnehmen. Die Rede ist darin von einem „möglichen Abwägungsdefizit zum Nachteil der Wohnanlieger“. Der zu erwartende Straßenverkehrslärm werde vom Planungsbüro als „mittel bis hoch negativ“ bewertet. Die von der Tankstelle mit Waschanlage ausgehende Schadstoffemission sei bisher vollständig ignoriert und in der Planung keine Gegenmaßnahmen vorgesehen worden. Was an der Stelle des Planungsverfahrens überhaupt nicht machbar ist, wie Planer Petzold erklärte. Das beabsichtigte Sondergebiet „Einzelhandel / Tankstelle“ wäre ein Fremdkörper inmitten der Wohnbebauung und würde die geordnete städtebauliche Entwicklung im fraglichen Bereich zunichte machen, heißt es weiter. Für das Vorhaben müsse deswegen ein neuer Standort gesucht werden. Jeder einzelne in dem Schriftsatz vorgetragene Punkt war von Westermeier in seinen Wortbeiträgen weniger geschliffen formuliert, vorneweg genommen worden. Verstehen Sie das jetzt bitte nur nicht falsch, denken Sie nicht an Verwandtschaftslobbyismus und denken Sie stets an die Rechtsanwaltskeule!

Was Juristen einfach ausblenden

Es muß eine Berufskrankheit von Juristen sein, daß sie Fakten einfach ausblenden, wenn lukrativer Streit winkt. Denn auch die private Stellungnahme geht einfach darüber hinweg, daß der durch das „Sondergebiet Einzelhandel“ hervorgerufene Lärm um fünf Dezibel niedriger sein muß, als der im ursprünglich mit CSU-Zustimmung geplanten Mischgebiet und jetzt zur Landwirtschaftsfläche rückgewidmeten Fläche. Das war die Ausführung des anwesenden Gutachters in der Gemeinderatssitzung. Rückfragen von Westermeier? Keine! Also insgesamt ein geringerer zulässiger Lärmpegel. Das müßten vernunftsbegabte Wesen eigentlich als Fortschritt beim Lärmschutz sehen. Unter juristischem Blickwinkel wird das jedoch zu einem „Planungs- und Abwägungsdefizit“. Noch deutlicher kann man Gegenargumente kaum an den Haaren herbeiziehen.

Werner ist anderer Meinung

„Das glaube ich nicht“, „ich bin da anderer Meinung“, „diese Einschätzung teile ich nicht“ oder „kann man das auch einmal sehen“ – die typischen Formulierungen der Juristenfraktion im Adlkofener Gemeinderat. Selbst dann, wenn Bürgermeisterin Maurer die Gemeinderätinnen Alexandra und Christa Passek gleich zu Beginn der Beratungen bittet, wegen persönlicher Betroffenheit in den Zuhörerrängen Platz zu nehmen. Was macht ein Jurist wie Hubertus Werner (SPD), der um zwei zählbare Gegenstimmen fürchtet? Er nötigt mit langatmigem Wortgeplänkel die Bürgermeisterin, die „Betroffenheit“ zu erklären und zweifelt eine schriftlich vorliegende, dem Gemeinderat daraufhin vorgelesene Stellungnahme der Aufsichtsbehörde einfach an (siehe Einwände oben). So, als käme es auf seine Sicht der Dinge da noch an. Dampf ablassen, um des Kaisers Bart streiten, eine Entscheidung möglichst verhindern oder am liebsten bis zum Sankt-Nimmerleinstag hinauszögern – das Trauerspiel im Adlkofener Gemeinderat. Die auf mittelfristige Wirkung ausgerichtete Zermürbungsstrategie mit Stoßrichtung Bürgermeisterin ist unverkennbar und kommt seit zweieinhalb Jahren (wirkungslos!) immer dann zum Einsatz, wenn es um Entscheidungen geht, die einer positiven Entwicklung der Gemeinde dienlich wären.

„Wo soll jetzt da die Betroffenheit sein“?

Den Rücken gestärkt bekam in diesem Punkt Werner vom CSU-Fraktionschef. Zutiefst entrüstet und angriffslustig gab der bekannt, auch er könne „da ja nun wirklich keine persönliche Betroffenheit ausmachen“.  Damit war schon kurz nach Aufruf des ersten Tagesordnungspunktes klar geworden, wie der weitere Sitzungsverlauf aussehen wird. Als Gedankenstütze für weitere Beschlußfassungen in Sachen „Sondergebiet“ und einer persönlichen Betroffenheit der Gemeinderätinnen Passek, ist hier die Stellungnahme der Aufsichtsbehörde nicht nur in der Textversion nachzulesen, sondern als besonderer Service des ADLKOFENER BLATT’Ls für die Gemeinderäte der CSU downloadbar als pdf-Datei bereitgestellt und sollte von diesen möglichst zu den eigenen Akten genommen werden. Für alle anderen hier der Text:

„Nach Artikel 49 GO kann ein Mitglied des Gemeinderates an der Beratung und Abstimmung nicht teilnehmen, wenn der Beschluß ihm selbst, seinen Ehegatten oder einem Verwandten oder Verschwägerten bis zum dritten Grad einen unmittelbaren Vor- oder Nachteil bringen kann. Die Unmittelbarkeit des Vor- und Nachteils kann sich aus dem Beschluß selbst, aus seinem Vollzug oder aus einem von ihm eingeleiteten Verfahren ergeben.

Mitglieder des Gemeinderates von Adlkofen sind laut ihren Ausführungen die Ehefrau und die Schwester des Grundstückseigentümers Dr. Passek, auf dessen Grundstück der Einzelhandelsmarkt Netto betrieben wird. Ein Beschluß über die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans zur Schaffung eines neuen Standorts für einen großflächigen Supermarkt können die Ehefrau beziehunsgweise Schwester von Herrn Dr. Passek (Verwandte / Verschwägerte 2. Grades nach §§ 1589; 1590 BGB) einen unmittelbaren (wirtschaftlichen) Vor- oder Nachteil bringen. Ein wirtschaftlicher Vorteil würde in einer eventuellen Verlängerung des bestehenden Netto-Mietvertrages mit Herrn Dr. Passek bestehen; ein wirtschaftlicher Nachteil würde sich ergeben, wenn der Netto-Mietvertrag nicht mehr verlängert wird. Durch dieses Sonderinteresse in vorgenannter Angelegenheit liegt bei der Ehefrau als auch Schwester von Herrn Dr. Passek persönliche Beteiligung vor, weshalb diese nicht an Beratung und Abstimmung teilnehmen dürfen. Über die persönliche Beteiligung ist ein Beschluß des Gemeinderates gemäß Art. 49 Abs. 3 GO herbeizuführen.

Wichtig bei dieser Angelegenheit sind natürlich die von den Vertretern des Einzelhandelsunternehmens Netto der Gemeinde Adlkofen gegenüber gemachten Aussagen bezüglich der Notwendigkeit eines neuen Standortes!

Unterzeichnet ist die Stellungnahme von Ulrich Hauner, Kommunalaufsicht beim Landratsamt Landshut.

Da stellt sich die Frage, ob Alexandra und Christa Passek in der Abstimmung am 15. März überhaupt hätten mitstimmen dürfen.

Planungssicherheit – Vabanquespiel in Adlkofen

Nachdem der Punkt geklärt war, stritt sich das Gremium um die im Plan gelb markierte Landwirtschaftsfläche, ehemals „Mischgebiet“ und um die Frage, das ganze Projekt auffliegen zu lassen. Bürgermeisterin Maurer warnte die Gemeindräte eindringlich vor den Folgen und dem Schaden, der den Investoren entstehen würde, käme es dazu. Die hätten schließlich auf die bisher gegebenen – wenn auch immer heftig umkämpften – Zusagen und Beschlüsse des Gemeinderates bereits investiert und sollten doch Planungssicherheit haben. Der allgemeine Imageschaden für Adlkofen wäre besonders bedenklich, würde man die Investoren jetzt vor den Kopf stoßen.

Sind Investoren gegenüber Gemeinderat Rechenschaft schuldig, wenn sie Geld ausgeben?

Das alles ist in Adlkofen möglich, weil man den erklärten Bürgerwillen eher als geistigen Aussetzer der Bevölkerung sieht. Das miserable Vorbild aus dem Bund färbt ab. Man hat ein Problem damit, demokratisch getroffene Entscheidungen des Gemeinderates, sogar solche, an denen man nicht nur selbst mitgewirkt sondern auch noch dafür gestimmt hat, zu akzeptieren. So, als ob es eine Unverschämtheit und nicht die natürlichste Sache der Welt wäre, zeigte sich Westermeier überrascht, daß die Investoren bereits Geld ausgegeben haben, ohne dem Gemeinderat Bescheid zu sagen. Westermeier: „Warum wissen wir davon nichts, daß da schon Gelder geflossen sind?“ Weil’s ihn nichts angeht, wäre die logische Antwort gewesen. Nun, jetzt wußte er’s, geändert an seiner Haltung hat es nichts. Auch nicht, als die Bürgermeisterin mit Genehmigung des Rates einen der in den Zuhörereihen sitzenden Investoren zu Wort kommen ließ, der die Aussage der Bürgermeisterin bestätigte. Das Gezerre und Gezänk ging munter weiter, bis sich die Bürgermeisterin entschloß, die öffentliche Sitzung zu unterbrechen, um dem Geschäftsmann die Gelegenheit zu einer ausführlicheren Erklärung im Rat zu geben. Einsichtigkeit seitens der CSU nach der halbstündigen Unterbrechung? Fehlanzeige! Der Disput ging, wie oben geschildert, munter weiter.

Letztlich wurde der Bebauungs- und Grünordnungsplan – als Erster einer 11 Punkte umfassenden Tagesordnung – kurz vor 21.45 Uhr mit 9:5 Stimmen beschlossen. Dagegen stimmten die Gemeinderäte Alexander Kropp (GRÜNE), Hubertus Werner (SPD), Bernhard Westermeier, Rosi Aimer und Franz Wippenbeck (alle CSU/Einigkeit).  Um die eingangs gestellte Frage, ob sich Gemeinderäte fahrläßiger bis schwerer Körperverletzung schuldig machen, zu beantworten: an manchen Sitzungstagen ganz sicher und an einigen dieser Tage kommt auch noch Vorsatz hinzu. Der letzte Montag war ein solcher.

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