Irritationen bei einer Feuerwehr?

Wenn Pfründedenken der Logik im Wege steht

Vollzug des BayFwGAdlkofen. Es ist eigentlich eine ganz simple Angelegenheit: Die fünf Feuerwehren in der Gemeinde Adlkofen verwalten Material und ihre Lager derzeit in eigener Regie. Und das hat für die Gemeinde, die ja für die Ausstattung ihrer Wehren finaziell aufzukommen hat, einen großen Nachteil. Alles, was eine Feuerwehr so braucht, von der Atemmaske bis zum Schutzanzug; von den verschiedenen Löschmitteln und -zusätzen bis hin zum Heftpflaster muß einzeln bevorratet und gelagert werden. Das kostet Zeit, kostet für die Lagerflächen und kostet vor allem auch in der Materialbeschaffung Geld, wovon man einen schönen Anteil sparen könnte. Nur ein Beispiel aus der Gegenwart: In einer Ortsteilwehr hängt ein Schutzanzug in einer Größe; für die es dort in der Wehr keinen passenden Träger mehr gibt. In einer anderen Wehr, wird ein Schutzanzug in genau der Größe benötigt. Was passiert? Er wird neu gekauft. Man könnte auch sagen, weil die Linke nicht weiß, was bei der Rechten herumhängt, muß die Gemeinde blechen.

Auch der Redaktion ist bekannt, daß, wenn es für einen Bürgermeister so etwas wie eine „Heilige Kuh“ gibt, die eine Feuerwehruniform an hat. Jeder Rathauschef wird daher darauf achten, dem Kommandanten einer solchen Ansammlung heiliger Kühe nicht unnötig auf die Beine zu treten. Wie macht man das am Besten? Man holt alle Kommandanten zusammen, erklärt ihnen den Sachverhalt und bittet um ihre Meinung. So geschehen am 2. Oktober diesen Jahres bei einer Besprechung aller fünf FFW-Ortsteilkommandanten mit Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer, 2. Bürgermeister Valentin Petermaier, Geschäftsführer Johann Theiß, einem weiteren Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und Kreisbrandrat Thomas Loibl. Unter den acht beratschlagten Themen auch der „Federführende Kommandant“, wie das im Beamtendeutsch so schön heißt.

Wobei „federführend“ ja schon wieder maßlos übertrieben ist, denn „federführend“ ist der nur dort, wo es um eine gemeinsame Material- und Lagerverwaltung gehen soll. Nicht mehr fünf Lager, sondern ein zentrales; nicht mehr fünf Mal Löschmittelbestellung, sondern eine und nicht Neuanschaffungen für Schutzkleidung, Helme und Ersatzteile für jede Wehr einzeln, sondern koordiniert für alle Wehren zentral. Nicht blind „in’s Blaue“ sondern eher nach tatsächlichem Bedarf. Eben durch den „federführenden Kommandanten“. Der schafft also nicht an und hat die anderen vier unter seiner „Fuchtel“. Ganz im Gegenteil, der ist – wie das in Bayern auch so anschaulich heißt – eine „arme Sau“, denn er muß jetzt für die anderen Wehren mitdenken und für die verwaltungstechnisch entlasteten Kommandanten mitarbeiten.

Alle fünf Kommandanten sitzen an einem Tisch. Beratschlagen, was sich damit alles an Erleichterungen für die eigene Feuerwehr ergeben könnte, sehen das Einsparpotential für die Kommune; die eigene Arbeitserleichterung; das vorgesehene Zentrallager im Keller des Elisabethstifts in Adlkofen wird als ideal erachtet; man einigt sich einvernehmlich darauf, den „Federführenden Kommandanten“ probeweise für ein Jahr zu installieren und benennt gemeinsam den Adlkofener 1. Kommandanten Stephan Schlichter für die Aufgabe. Alle stimmen zu, diesen Vorschlag dem Gemeinderat zur Beschlußfassung zuzuleiten und – 14 Tage später schießt einer quer! Nicht etwa der Adlkofener Kommandant, der allen Grund hätte zu sagen, „ist zuviel Arbeitsaufwand, ich hab‘ mir das überlegt, pack ich nicht“; nein, es ist der Kommandant einer Ortsteilwehr und der fühlt sich – „überrumpelt“.

Ein g’standnes Mannsbild, das überrumpelt wurde – sowas kann’s ja mal geben – geht jetzt aber in’s Rathaus zum Boss, was im Adlkofener Fall die Bürgermeisterin wäre, und sagt dort, was Sache ist. Nicht so unser Kommandant. Der beschwert sich lieber bei einem Gemeinderat und mosert dort herum. Gemeinderat Bartholomäus Mayerhofer gibt den Vorwurf der „Überrumpelung“ als Argument per eMail an seine Gremiumskollegen und die Bürgermeisterin weiter; er beantragt damit die Absetzung des Tagesordnungspunktes „Feuerwehrangelegenheiten“ und seine Vertagung.

Damit stieß er gestern Abend in der Gemeinderatssitzung weder bei der Rathauschefin noch bei 2. Bürgermeister Valentin Petermaier auf Verständnis. Auch bei CSU-Fraktionschef Bernhard Westermeier nicht, der allerdings an seinen Kollegen schon ein paar Fragen zu dem Vorgang hätte. In der sich entwickelnden Diskussion verwiesen Maurer und Petermaier immer wieder darauf, daß es sich um eine mit den Kommandanten „absolut einvernehmliche Beschlußlage“ gehandelt habe und man die Begründung für den Antrag nicht nachvollziehen könne. Da GR Mayerhofer selbst nicht anwesend war, konnte er dazu nicht befragt werden. Weil aber die Gemeinde darauf bedacht sein sollte, daß die beabsichtigte Einführung dieses „Federführenden Kommandanten“ eine von allen Kommandanten und Wehren akzeptierte Sache sein soll, beschließt der Gemeinderat mit drei Gegenstimmen der Anregung von GRn Alexandra Passek zu folgen, die „Feuerwehrangelegenheiten“ diesmal nicht, sondern in der folgenden Sitzung zu behandeln und so zu zeigen, daß man niemanden überrumpeln wolle.

Im Interesse der Sache und der Gemeindefinanzen bleibt jetzt nur zu hoffen, daß sich bis dahin nicht doch wieder das alte Pfründedenken und die Standesdünkel bei den Wehren durchsetzen und die übrigen Kommandanten sich die Sache mit dem „Federführenden Kommandanten“ nicht auch wieder anders überlegen. Nicht etwa, weil sie sich ebenfalls „überrumpelt“ fühlen, sondern wohl eher, weil sie plötzlich erkennen, daß hier auf einen von ihnen zusätzliche Verantwortug zukommen könnte…

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