Adlkofener-Blattl

Gestatten? Ich bin Crex crex, eure Wiesenralle!

Stellungnahme eines Nachfahren Adlkofener Ureinwohner zum Baugebiet Roßberg

wachtelkönig auch wiesenralle genannt

Wachtelkönig (Crex crex)

Könnt’ leicht sein, daß meine Vorfahren schon zu Zeiten Adlkofener waren, da habt ihr noch gar nicht gewußt, daß es so etwas wie mich hier überhaupt gibt. Ich bin, ihr würdet mit euren seltsamen Maßstäben sagen, gerade einmal so um die 27 Zentimeter groß. Mein Kleid ist braun, oben mit dunkleren Streifen. Die Flügel rotbraun. An die dunklen Flankenbänder schließt sich eine helle Unterseite an. Unverkennbar ist mein Flug, weil meine Beine dabei herumbaumeln, als würden sie nicht zu mir gehören und ich sie so richtig hinter mir herziehen muß.

Aber laßt euch davon nicht blenden, in Wahrheit bin ich ein ganz großer. Ja sogar von königlichem Geblüt, denn eure Weisen nennen mich König – Wachtelkönig, um genau zu sein! Dabei habe ich mit diesen komischen Hühnern so viel zu tun, wie euer Kini Ludwig mit einem türkischen Großmogul, obwohl er für einen solchen ja ein halbes Schloß am Schachen hat herrichten lassen. Ich bin verwandt mit Bläß- und Teichhuhn, eine echte Ralle halt. Aber ich geh‘ nicht in’s Wasser, ich brauche Wiesen um mich herum. Wiesen mit üppigem Bewuchs zur besseren Tarnung. Nur wenige von euch werden mich jeh zu Gesicht bekommen. Hören könnt ihr mich dagegen schon, besonders im April wenn ich vom Winterurlaub in Südasien oder dem südlichen Afrika zurück bin. „Crex, crex“ – so hört sich das an und im Mai, wenn ich mir eine Lebensabschnittgefährtin such’, dann könnt ihr mich auch nachts hören: Crex, crex – verstehst? Naja, Menschen und Wissenschaft eben – was wißt ihr schon!

Aber doch wenigstens das, oder? Daß meine Familie in ganz Bayern wohl nur noch 200 bis allerhöchstens 300 Köpfe zählt? Daß wir es in ganz Deutschland im besten Fall noch auf 1.000 Familienmitglieder bringen? Tendenz stark Richtung Keller. Das allerdings wißt ihr ganz bestimmt nicht! Daß wir in ganz Europa inzwischen so selten sind, daß man unseren Namen überall, wo wir einst unsere Heimat hatten, auf eine Rote Liste gesetzt hat. Ganz nach oben, so wichtig sind wir. Ja wir sind sogar eine Liste 1-Art. Was – das habt ihr gewußt und trotzdem wollt ihr mein schönes Brutgebiet in Adlkofen zerstören???

Auf das mit der Roten Liste, da bin ich nicht besonders erpicht darauf. Zeigt es doch nur, daß ihr und euresgleichen alles Mögliche und Unmögliche tut, um uns, mir, meiner Familie, meiner Verwandtschaft, für immer das Lebenslicht auszublasen. Und das, obwohl sich die Europäische Kommission mit eurer Regierung darauf geeinigt hat, daß mir und meiner Art ganz besonderer Schutz zukommen muß. Ja, richtig, „MUSS“, nicht soll, aber was schert ihr euch schon darum. Ihr seid ja Adlkofener, nicht wahr. Man kennt euch doch und schmunzelt landauf, lanbdab schon bloß, wenn man von euch und euren Gemeinderäten hört. Jetzt könnt ihr euren Ruf retten – rettet mich und man wird im ganzen Gäu vor Achtung den Hut vor euch ziehen! Ja sogar über’s Gäu hinaus, ich sorg’ da schon dafür, ganz bestimmt!

Aber nein. Jetzt kommt ihr also daher und wollt mir mein schönes Wohngebiet Roßberg ruinieren. Das laß’ ich mir nicht so einfach gefallen, für was hab’ ich Verbündete? Den Landesbund für Vogelschutz Bayern in Hilpoltstein hab’ ich schon auf meine Adlkofener Bedrohung hingewiesen. Die Naturschützer beim Landratsamt Landshut, da bin ich mir noch nicht so sicher, auf welcher Seite die eigentlich stehen, aber Bescheid gegeben hab’ ich dort auch schon. Ich starte auch eine weltweite Petition im Internet und trommle Vogelfreunde aus ganz Europa zusammen, um mit mir vor euren Baumaschinen zu protestieren, wenn ihr mir hier in Adlkofen keine Ruhe laßt. Ich laß eure eMail-Fächer mit Protestmails aus der ganzen Welt fluten, wenn ihr mir weiterhin an’s Leder wollt. Ich zeig’s euch, ich werde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit ich ein Adlkofener bleiben kann und ihr mir mein Brutgebiet nicht platt macht. Zur Not werde ich auch die Uli in München zu Hilfe rufen. Ach was, die kennt ihr auch nicht? Die wird eine Freude haben mit euch, das ist doch eure Umweltministerin und die wird euch schon den Marsch blasen.

Hoffe ich wenigstens…

Wie, ihr wollt wissen, um was es hier eigentlich geht? Um euer Baugebiet Roßberg geht’s und die Tatsache, daß ihr mir damit mein Wohnumfeld und meinen damit verbundenen Lebensraum und Brutplatz vernichten wollt. Dabei gebe ich mir allergrößte Mühe, für euch nützlich zu sein, halte euch Mücken, Ohrwürmer, Heuschrecken und andere Insekten vom Leib in dem ich sie wegfresse. Dezimiere Nacktschnecken, kleine Gehäuseschnecken, Regenwürmer und Tausendfüßler, begnüge mich bei pflanzlicher Nahrung vorzugsweise mit Binsensamen und verschone euer wertvolles Getreide. Und ihr? Ihr wollt mich einfach ausrotten, bloß weil die Gemeinde vor zig Jahren rund eine Million buntbedrucktes Papier für den Grund und Boden ausgegeben hat, den ich meine Sommerheimat nenne. Das waren doch sowieso nur Deutsche Mark, die gibt’s doch heute schon lange nicht mehr. Hat man euch schon einmal gesagt, daß ihr Geld nicht essen könnt? Und ich kann an Beton, Teer und Ziegel, an Gärten mit Golfrasen, Thujen- und Talibanhecken ebenso wenig Gefallen finden, wie an herumstöbernden Hunden, die nach meinen Jungen schnappen und in mein Wohnzimmer kacken.

Ich brauche Platz und ein Biotop für mein Nest und meine Nachkommen. Ja ich höre euch nur zu genau: Adlkofen braucht Wohnungen, immer mehr wollen hierherziehen. Der Siedlungsdruck aus Landshut. Äh – was gehen mich die Landshuter an? Adlkofen muß wachsen und wir haben keine anderen Baugebiete. Hört auf zu jammern, das wird unerträglich. Was kann ich dafür, daß sich euere Gemeinschaft auf Bauland bezogen im Würgegriff einer einzigen Familie befindet? Hätt’s die in den letzten Jahrzehnten nicht alles aufkaufen lassen und wärt’s selber so schlau gewesen. Als Gmoa versteht sich, dann hätt’ ich heute keine Probleme mit euch. Warum soll ich ausbaden, was ihr verbockt habt? Ich höre immer und überall nur Wachstum, Wachstum, Wachstum. Wachstum um jeden Preis – aber den will ich nicht zahlen, versteht’s mi? Ist Wachstum denn wirklich alles?

Und überhaupt’s – was sollen die ganzen Saupreißn die hessischen, westfälischen, die polnischen, japanischen und wo’s sonst überall herkommen, da in Niederbayern, in meinem Adlkofen? Die sollen bleiben, wo’s dahoam sind und wenn sie’s dort nicht mehr aushalten wegen ihrer Regierung, müssen sie sich halt eine andere wählen. Aber das Problem nicht auf meinem und dem Rücken meiner Familie austragen. Ich brauch’ Platz für mich und meine Jungen, wir wollen nicht unbedingt wachsen, aber leben. So nicht, nein – wirklich nicht meine Damen und Herren Gemeinderäte, Frau Bürgermeisterin!

Macht’s, was wollt’s, aber nicht mit Roßberg und meiner schönen Wiesen d’rum herum, das ist meine Speis’kammer. Noch amoi – habt’s mi? Crex crex!

Schreiben Sie einen Kommentar