Gemeindepolitik findet Aufmerksamkeit der Adlkofener

Von wegen Desinteresse: Veranstaltungssaal platzte aus allen Nähten! – Aus der Bürgerversammlung (1)

Bis auf den letzten Platz

Voll reicht nicht, denn die Besucher saßen auch vor dem Saal auf aus der Gastwirtschaft herbeigeschafften Stühlen.

Adlkofen. Chaos pur – mit so einfachen Worten läßt sich der Zustand umschreiben, mit dem Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer in den Tagen nach ihrem Amtsantritt 2014 im Rathaus konfrontiert war. Das allerdings nicht etwa geschuldet den rund sechs Wochen Amtszeit des vor einem Jahr für den abgetauchten und seitdem im Rathaus nicht mehr gesehenen Altbürgermeisters Josef Scharf eingesprungenen damaligen 2. Bürgermeister Hans Kargl. Auch der war von einem Tag auf den anderen vom abgewählten Rathauschef „in’s kalte Wasser“ geworfen worden und konnte die Amtsgeschäfte nur in einer Art „Notbetrieb“ fortführen, da eine Übersicht der dringend anstehenden Aufgaben nicht wirklich gegeben war bzw. der in den Monaten und Jahren davor aufgetürmte Berg an Versäumnissen einfach zu groß gewesen sein muß.

Ob das mit ein Grund gewesen war, daß Scharf seiner Nachfolgerin eine Amtsübergabe strikt verweigert hatte? Diesen Eindruck jedenfalls mußte man am Donnerstagabend nach dem Rechenschaftsbericht der Bürgermeisterin in der Bürgerversammlung als Fazit der Amtszeit von Josef Scharf mit nach Hause nehmen. Das damals ohnehin nicht vollständige Rathauspersonal hatte vor ziemlich genau einem Jahre alle Hände voll damit zu tun, die Hinterlassenschaften zu beseitigen. Selbstverständlich war ein Teil des Arbeitsrückstandes auch dem Umstand geschuldet, daß zwei Planstellen seit längerem nicht mehr besetzt waren, darunter auch die Position der Geschäftsleitung. Nur, von Nichts kommt nichts und das hatte schließlich auch seine Ursachen, die ganz sicher nicht bei Astrid Hoffmann oder der anderen „gegangenen“ Mitarbeiterin zu suchen waren. 

Maurer beim Vortrag

Mit Bravour meisterte Adlkofens Bürgermeisterin ihre erste Bürgerversammlung in diesem Amt.

Die ehemalige Geschäftsleiterin im Adlkofener Rathaus, zu dem Zeitpunkt ja schon bei der Regierung von Niederbayern tätig, hatte sich nach Rücksprache mit ihrem neuen Dienstherrn auf Bitten der Bürgermeisterin bereit erklärt, für das Geschäftsjahr 2014 eine Art „Nothaushalt“ zu erarbeiten, der die Gemeinde erst einmal wieder finanziell handlungsfähig machte. Auch hierfür bedankte sich die Bürgermeisterin noch einmal im Besonderen. Ohnehin so eine Sache, die Finanzlage der Gemeinde bei Amtsantriit, wie die Zuhörer vernehmen mußten. Die Girokonten waren gepfändet, weil sich Maurers Amtsvorgänger geweigert hatte, die vereinbarten und fälligen Abschlagszahlungen an einen Fernwärme-Lieferanten überweisen zu lassen. Und der hatte aus verständlichen Gründen nicht lange gefackelt.

Konto gepfändet, keine Jahresrechnung 2013 vorliegend, fehlender Haushaltsplan 2014 – dazu hatte es noch nicht einmal Vorberatungen gegeben -, der fehlende örtliche Prüfbericht der Jahresrechnungen 2012 und dazu fehlendes Personal in Schlüsselpositionen. Es gab bestandskräftige Bebauungspläne; für die Erschließung des Gewerbegebietes „Landshuter Straße“ war bereits eine Auftragsvergabe erfolgt, die Grundstücksverhandlungen dagegen noch nicht abgeschlossen. Auch datenschutzrechtlich lag es im Argen. Aus solchen Gründen war es nämlich nicht passend, das Bürgermeisterzimmer im Bürgerbüro beizubehalten. Maurer: „Im Bürgerbüro werden auch Vorgänge abgehandelt wie Standesamt, Wahlangelegenheiten und Kirchenaustritte, von denen ein Bürgermeister nicht Kenntnis erlangen darf.“ Diese unzulässige Situation war mit einem Umzug der Rathauschefin in das ehemalige Büro von Altbürgermeister Gallecker  im ersten Stock des Rathauses schnell erledigt, wirft aber ein bezeichnendes Schlaglicht auf den Vorgänger. Dazu keine Amtsübergabe, kein wirklicher Überblick mit Hinweisen auf drängende Aufgaben oder Termine, dazu das aktuelle Tagesgeschäft – nur beinharte Optimisten nennen das noch „Aufgaben“ anstelle von Problemen.

Aber die Rathauscrew hat es geschafft, wie Bürgermeisterin Maurer die Versammlung unterrichtete „Dazu wurde nicht nur an einem Wochenende von der Belegschaft in freiwilligen Sonderschichten durchgearbeitet“, wofür sie sich bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch bei dieser Gelegenheit noch einmal ausdrücklich unter dem Beifall der Zuhörer bedankte.  Die Rathausbelegschaft war bei der Bürgerversammlung bis auf den im Auslandsurlaub befindlichen Tobias Schmid vollzählig anwesend, was es bei Bürgerversammlungen in der zwölfjährigen Vor-Maurer-Ära  nie gegeben hatte.

Alle Altlasten sind ja noch nicht beseitigt – wie aufmerksame Leser des ADLKOFENER BLATT’Ls schon vor der Bürgerversammlung wußten- man gebe sich allerdings größte Mühe, so Maurer und unterstrich dabei die fachliche und organisatorische Kompetenz von Geschäftsführer Johann Theiß. Seit Montag, so die Bürgermeisterin, habe Adlkofen einen Haushaltsplan für 2015, der zwar noch der Genehmigung durch die Aufsicht bedürfe, aber der Rahmen für eine funktionierende und rechtssichere Aufgabenwahrnehmung sei gesteckt. Für die Zusammenarbeit zum Wohl der Gemeinde bedankte sich die Bürgermeisterin an der Stelle auch beim bis auf eine Ausnahme vollzählig (!) anwesenden Gemeinderat.

Der allgemeine Tätigkeitsbericht der Bürgermeisterin war dann relativ schnell abgehandelt: Die Streitigkeit mit dem Wärmeversorger warte inzwischen auf eine gerichtliche Entscheidung. Eine Sicherheitsleistung hierfür  ist durch die Gemeinde bei Gericht erfolgt. Für den Bauhof hatte es die Anschaffung eines gebrauchten Fahrzeugs gegeben und wohl eine der schwierigsten Aufgaben waren die Verhandlungen mit dem Wasserwirtschaftsamt um eine Verlängerung des Wasserrechtsbescheides für die Kläranlage in Pattendorf gewesen. „Die haben wir jetzt, allerdings nur bis 31. Dezember diesen Jahres. Bis dahin muß das Problem gelöst sein,“ so Maurer. Eine weitere Verlängerung sei explizit ausgeschlossen.

Ein Versprechen aus dem Wahlkampf, sich um eine Verbesserung der ärztlichen Versor- gung Adlkofens insbesondere im Hinblick auf den Erhalt einer Apotheke anzunehmen, war ebenfalls von Erfolg gekrönt. Hier haben Landrat Peter Dreier (FW), MdB Dr. Thomas Gambke (GRÜNE), MdL Ruth Müller (SPD) und der Bürgermeistersprecher im Landkreis und 1. Bürgermeister der Stadt Rottenburg, Alfred Holzner (FW) entscheidend mitgewirkt. Die zusätzliche Praxis in Adlkofen habe zum 1. April ihre Tätigkeit aufgenommen. Vor langer Zeit vom Gemeinderat beschlossen, seien jetzt endlich auch die beiden Defibrillatoren an ihren Standorten untergekommen. Der eine im Schalterraum der VR-Bank in Adlkofen, ein weiterer im Automatenraum der Raiffeisenbank in Reichlkofen.

Die Einrichtung eines Jugendforums, eine Familienunterstützung, die Organisation der Archivpflege, eine durchaus sehenswerte Neugestaltung der gemeindlichen Internetseite und die Verleihung des „Altbürgermeister“-Titels an ihren Amtsvorgänger waren neben einem umfangreichen Überblick zur Finanz- und Investitionslage der Gemeinde weiterer Gegenstand von Maurers Ausführungen. Da über die Investtionsplanung und die Finanzen bereits ausführlich im Beitrag zur Verabschiedung des Haushaltsplanes 2015 berichtet wurde, kann hier auf eine Widerholung des Zahlenwerkes verzichtet werden.

Nicht vergessen werden soll an dieser Stelle der ausdrückliche Dank der Bürgermeisterin an den der Versammlung beiwohnenden und von ihr schon eingangs besonders begrüßten Ehrenbürger Ernst Schröder für dessen engagierten Einsatzes um das Gemeindearchiv, für den sich auch die Versammlungsbesucher mit Applaus bedankten.


Eine Anmerkung an dieser Stelle kann ich mir nicht verkneifen: Den „besten Mann für Adlkofen“ hatte die örtliche „CSU/Wählergemeinschaft Einigkeit“ vor einem Jahr in das Rennen um den Chefsessel im Rathaus geschickt. Unkonkrolliert, ungeprüft, blindem Kadavergehorsam folgend oder einfach nur, weil’s in der Adlkofener CSU der Parteilogik folgend tatsächlich nur Männer gibt, die das Prädikat „bester Mann für Adlkofen“ besser nicht in den Mund nehmen sollten? Adlkofens Christsoziale haben eine Menge Arbeit vor sich, um in fünf Jahren bei der gleichen Gelegenheit bestehen zu können…

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