Freie Wähler wehren sich gegen Schuldzuweisungen

CSU-Kandidaten: FW hätte Druck ausüben müssen um den Artikel „Auf ein Wort“ zu verhindern

Adlkofen. Außerplanmäßig, aber wieder einmal sehr gut besucht war die Wahlversammlung der Freien Wähler Adlkofen am Sonntag Abend. Zu der Veranstaltung in Blumberg hatten sich die Kandidaten der FW bereits kurz nach ihrer offiziellen Abschlußveranstaltung in Göttlkofen entschieden, um noch einmal kurzfristig auf eventuelle, irreführende Ausführungen anderer Gruppierungen reagieren zu können. Auch sollte der FW-Landratskandidat Peter Dreier noch einmal die Gelegenheit erhalten, in Adlkofen um Stimmen zu werben. Unwissentlich hatte man damit die richtige Entscheidung getroffen, bot sich dadurch nämlich auch die Gelegenheit, reichlich unqualifizierten Angriffen über die von CSU-Mitgliedern und ihren Sympathisanten ausgestreuten Gerüchte gegen die FW entgegenzutreten. Stein des Anstoßes war die gedruckte Extra-Ausgabe zur Kommunalwahl vom „ADLKOFENER BLATT’L“ mit dem Leitartikel „Auf ein Wort“.

Aber der Reihe nach. Wegen einer weiteren Wahlveranstaltung am gleichen Abend mit dem Landratskandidaten Peter Dreier in Gerzen, erhielt der erst einmal die Gelegenheit, sich, seine Ziele für den Landkreis Landshut und eine Handvoll mitgereister FW-Kreistagskandidaten vorzustellen. Mit den Grundsätzen „Transparenz, Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit“ habe er in seiner bisherigen politischen Laufbahn Vertrauen aufgebaut. Mit diesen Grundsätzen wolle er auch den Landkreis Landshut in eine erfolgreiche Zukunft führen, so Dreier.

Als Beispiel für bürgernahe Politik und gemeinsame Problemlösungen führte Dreier ein weiteres Mal die wegen ausufernder Gülleausbringung bedrohliche Situation für Grund- und Trinkwasser in Hohenthann an. Dort sei es ihm als Bürgermeister der Gemeinde gelungen, auf freiwilliger Basis im Dialog mit Bürgern und Landwirten ein Konzept zu erarbeiten und vor allen Dingen mit den Beteiligten auch umzusetzen, das seit März letzten Jahres vom Bayerischen Umweltministerium zum bayernweiten Pilotprojekt erklärt worden ist.

Zu bürgernaher Politik gehöre es also, für bestimmte Probleme lebensnahe Lösungen zu finden und nicht auf die Eingebungen von oben zu warten. Unter anderem berichtete Dreier auch von einem Vorfall in Rottenburg und dem Spielplatzunfall eines Kindes, welches die sofortige Hilfe eines Arztes gebraucht hätte. Vollkommen unverständlich, das wegen einer irrationalen und rein bürokratischen Vorschrift der etwas mehr als 150 Meter von der Unglücksstelle entfernt praktizierende Arzt – selbst jahrzehntelanger Notarzt – nicht helfen durfte. Statt dessen mußte der Notarzt mit dem Heli aus Straubing eingeflogen werden. Der Fall hatte damals auch überregional für Schlagzeilen gesorgt. In sehr überzeugender Manier berichtete Peter Dreier von seiner festen Absicht, nicht nur solche Mißstände für die Zukunft lösen zu wollen und erhielt dafür kräftigen Applaus von den Zuhörern. Nachdem sich auch die Kreistagskandidaten vorgestellt und dabei um ihre und die Wahl von Peter Dreier zum Landrat gebeten hatten – darunter die Wörther Gemeinderätin Marion Wagner; aus der Nachbargemeinde Niederaichbach die Gemeinderäte Erwin Meier und Jakob Sand; aus Essenbach Konrektor Fritz Wenzl; der Mirskofener Wirt Georg Luginger; Rottensburgs 1. Bürgermeister Alfred Holzner und die für die Liste Junge Wähler antretende Bettina Schwarz („wählt’s die Frau Maurer zur Bürgermeisterin, da g’hört a bisser’l was aufgräumt in Adlkofen hab‘ i des Gfui!“) -, machte sich Peter Dreier mit seiner Gefolgschaft auf den Weg nach Gerzen.

Da es keine grundsätzlichen Änderungen an den Aussagen zu den Zielvorstellungen der Freien Wähler für die Arbeit im nächsten Gemeinderat gab, wiederholten anschließend FW-Ortsvorsitzende Christa Passek und Gemeinderat Valentin Petermaier ihre Ausführungen aus den vorhergegangenen Versammlungen. Spitzenkandidatin Passek griff allerdings noch einmal die sich weiter verschärfende Situation des Apothekenstandortes Adlkofen auf und äußerte absolutes Unverständnis für die Ausführungen des derzeitigen Rathauschefs, der in seinen eigenen Wahlveranstaltungen nach wie vor das Märchen sowohl von der gesicherten Arztversorgung, als auch vom Erhalt der Apotheke verbreite. „Nichts von beidem entspricht den Tatsachen“, so Passek.

In der sich anschließenden Kandidatenvorstellungsrunde bot der unabhängige Versammlungs-Moderator Jochen Baar auch die Gelegenheit zur Fragestellung an die Kandidaten. Diese Chance nutzten die anwesenden CSUler zur scharfen Kritik an einer drei Tage vor der FW-Abschlußveranstaltung im Gemeindegebiet verteilten Postwurfsendung, in der dem amtierenden Rathauschef die menschlichen Qualifikationen für das Bürgermeisteramt abgesprochen worden waren. Als Hintermänner der Publikation behaupteten sie – obwohl eindeutigem und anderslautenden Impressums – die Freien Wähler Adlkofen und warfen denen vor, damit unsachliche und unangebrachte Angriffe in einen bis dahin doch fair verlaufenen Wahlkampf gebracht zu haben. Da half es auch nur wenig, daß GR Maierhofer erklärte, vom Erscheinen des Heftes absolut nichts gewußt und sich „maßlos über den Artikel geärgert zu haben und ihn keineswegs zu billigen.“ Auch hatten die Freien Wähler, so Maierhofer, nichts mit dem Erscheinen zu tun. Trotz seiner Verärgerung müsse er jedoch eingestehen, „was Falsches steht nicht drinnen.“ Obwohl auch Bürgermeisterkandidatin Rosa-Maria Maurer, die FW-Vorsitzende Christa Passek und weitere Kandidaten sich von der gedruckten Extra-Ausgabe des „ADLKOFENER BLATT’Ls“ unmißverständlich distanzierten und zweifelsfrei erklärten, in keinster Weise mit der Publikation in Verbindung zu stehen – bis auf die abgedruckten, persönlichen Interviews -, beharrten die CSUler auf ihrem Standpunkt, man hätte entsprechend Druck auf den Herausgeber ausüben können und müssen, um den strittigen Artikel zu verhindern. Bei der Gelegenheit ist es zwar etwas laut im Saal geworden, das schon am Montag von Mitgliedern der CSU in der Öffentlichkeit gestreute Gerücht, man habe kurz davor gestanden, die FW-Versammlung „zu sprengen“ ist dagegen haltlos und in jeder Beziehung maßlos übertrieben.

Als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, plauderte auch Gemeinderat Peter Valentin, der von sich behauptete, „für das Grobe“ zuständig zu sein., aus dem Nähkästchen seiner negativen Erfahrungen mit dem noch amtierenden Bürgermeister. Dabei erinnerte er sich auch an eine Aussage hinsichtlich des Sportvereins. „Der geht mir am A…. vorbei“, habe  sich der Bürgermeister schon vor längerer Zeit geäußert, so Petermaier. Dabei wäre es doch höchste Zeit, den ehrenamtlich tätigen Leuten endlich einmal Dankeschön zu sagen. Petermaier „Das fehlt bei uns ganz!“

Zum Ende der Versammlung meldeten sich noch einmal die CSUler mit ihrer Kritik zu Wort. Erst als gegen Ende der Veranstaltung auch der anwesende Herausgeber die Gelegenheit erhielt, sich zu den wilden Vermutungen und Spekulationen zu äußern, sollte es für jedermann nachvollziehbar geworden sein, daß selbst ein – wie von den CSU-Mitgliedern in die Diskussion eingeworfener – ausgebliebener Versuch einer Zensur, ohne Aussicht auf jeglichen Erfolg geblieben wäre. Zum Einen seien die mit Interviews in der strittigen Ausgabe zu Wort gekommenen Listenführer über die weiteren Inhalte mit keiner Silbe informiert gewesen; zum Anderen lasse er sich „grundsätzlich von Nichts und Niemanden in die redaktionelle Ausgestalltung seiner Zeitung“ hineinreden. „Falsche Beschuldigungen sind ja nicht erhoben worden!“ Über die Wortwahl könne man streiten, nicht aber über die Fakten. „Weder für das Erscheinen noch für jene, über die persönlichen Interviews hinausgehenden Inhalte, sind andere Personen oder Gruppierungen verantwortlich“, schloß er seine Ausführungen.

Nachtrag:

Inwischen ist bekannt geworden, daß Adlkofener CSUler zumindest einen Anzeigenkunden aufgesucht und wegen seiner Anzeige in der Extra-Ausgabe zur Rede gestellt haben. Auch ein sehr deutlicher Hinweis darauf, wie weit es mit dem Demokratieverständnis und dem Verständnis zum Recht der freien Meinungsäußerung in den Reihen der örtlichen CSU und einem Teil ihrer Kandidaten bestellt ist. Wobei auch hier unmißverständlich anzumerken ist, daß die Anzeigenkunden über die redaktionellen Inhallte ebenso wenig informiert waren und Schuldzuweisungen auch an diese Adressen daher haltlos und ungerechtfertigt sind.

Foto: Hans-Jürgen Müller

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