Florian Wimmer: „Da spritzt das Wasser aus der Steckdose“

Dazu fehlende Rettungswege im Kindergarten – Gemeinde sperrt Spielplätze wegen skandalöser Zustände

Schild Spielplatz gesperrt am Eingang Kinderspielplatz GünzkofenAdlkofen. Bei manchen Gemeinderäten sind am letzten Mittwoch sicher die Haare zu Berge gestanden. Gleich zu zwei Beratungs-punkten mußte Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer den Räten und Zuhörern von Ereig-nissen und Feststellungen der letzten Tage innerhalb der Gemeinde berichten, die auf immense Schlampereien und verantwor-tungsloses Handeln seitens der Gemeinde unter ihrem Amtsvorgänger schließen lassen. Anders ist es nicht zu erklären, daß über Jahre hinweg keine TÜV-Überprüfung der Spielgeräte auf den Adlkofener Kinderspielplätzen mehr stattgefunden hat und die teilweise in die Erde gegrabene hölzerne Pfosten mancher Geräte am Boden derart morsch geworden sind, daß sie nur noch an ein paar Holzfasern hingen. Oder an der Türe zu einem Spielplatz Stacheldraht befestigt war. Große und kleinere gravierende Mängel, im Bild festgehalten und den Räten mittels Beamer präserntiert, veranlaßten die Bürgermeisterin verschiedene Spielgeräte sofort demontieren und die bedenklichen Plätze sperren zu lassen. Betroffen sind davon u. a. der Spielplatz am Kindergarten in Adlkofen und der Spielplatz in Günzkofen. Wie die Rathauschefin in der Gemeinderatssitzung mitteilte, ist auch eine TÜV-Inspektion der verbliebenen Spielplätze und Geräte bereits angefordert worden. Allerdings steht hierfür noch kein Zeitpunkt fest.

Zu der Notwendigkeit der einzelner Maßnahmen bzw. Sperrungen äußerte GR Bartholo- mäus Maierhofer (FW) Bedenken, weil zumindest in einem Fall die technischen und sicherheitsrelevanten Beeinträchtigungen seiner Meinung nach“nicht so gravierend sind, daß man den Platz hätte sperren müssen.“ Mit diesem Einwand allerdings konnte er bei der Bürgermeisterin nicht punkten. „Ich lehne es ab, nicht als einwandfrei erkennbare Spielplätze geöffent zu lassen; im Fall der Fälle stehe nämlich ich vor dem Staatsanwalt“, beschied Maurer. Ende der Diskussion.

Was zwar jeden Gemeinderat irgendwie, aber folgenlos zu interessieren schien, war die Frage, wie konnte es überhaupt so weit kommen? Die Antwort war „der vorherige Bürger-meister hat sich nicht darum gekümmert.“ Glück für die Adlkofener Familien, deren Kinder diese Plätze nutzen, daß in den letzten Jahren keine Unfälle passierten. Denn die Mißstände müssen über Jahre bestanden haben, so ein massiver Holzriegel fault nicht vom letzten Jahr auf heuer komplett durch. Aufgefallen sind die Mängel durch Zufall: Auf Anre- gung des erst wenige Tage für Adlkofen tätigen Geschäftsführers Johann Theiss hatten er und Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer in der Vorwoche die Kinderspielplätze in Adlko- fen und in den Ortsteilen inspiziert.

Widerrechtliche Raumnutzung bei fehlenden Rettungswegen

Können Sie sich vorstellen, Ihr Kind in einer Kindertagesstätte unterzubringen, wenn Sie davon wissen, daß es sich in einem Gebäude befindet, in dem es im Keller mindestens eine Doppelsteckdose gibt, die bei Starkregen Wasser wie eine kleine Springbrunnenfontäne spuckt? Weniger prosaisch brachte Architekt Florian Wimmer diesen Mißstand auf den Punkt: „Bei der Steckdose,“ so Wimmer mit dem Zeigestab auf die Abbildung auf der Leinwand deutend, „spritzt das Wasser raus, wenn es draußen wirklich stark regnet.“ Oder hätten Sie ein ruhiges Gewissen, wenn Sie wüßten, daß ein Lagerraum widerrechtlich als Schlaf- und Ruheraum genutzt wurde und für diese Räumlichkeit auf der Galerie ein erster Rettungsweg vollkommen fehlt; ein zweiter mangelhaft ist? Wie steht es um Ihre Fürsorgepflicht, wenn Sie wissen, daß Schiebetüren aus den Gruppen- und Nebenräumen im Adlkofener Kindergarten führen, die für Rettungswege – und um solche handelt es sich ja bei Raumtüren – nach allen gängigen Rechtsvorschriften nicht zulässig sind? Oder das eine Hausalarmanlage nicht vorhanden ist?

Nun, aufgeflogen sind diese Mißstände jetzt durch eine grundlegende Bestandsuntersu- chung des Kindergarten-Altbaus die der Gemeinderat durch das Planungsteam HOEWI-Architekten GmbH, Delta ImmoTec GmbH, Ingenieurbüro Hampp und das Brandschutz- büro Zellner in Auftrag gegeben hatte. Und was diese Mißstände angeht – ein kleiner Teil konnte durch das Entfernen vom Türblatt zu den fraglichen Räumen bereits behoben werden. Darüber hinaus empfiehlt das Planunsgteam dringend den Einbau von vernetzten Rauchmeldern.

Wasser von oben und unten setzt dem Gebäude zu

Hier regnet's kräftig rein

Hier regnet’s kräftig rein – Foto: Planungsteam

Die weiteren Mängel am Gebäude der jetzt gerade einmal 21 Jahre alten Kindertagesstätte sind nicht so einfach zu beheben; noch nicht einmal provisorisch. Da wäre einmal die Regenrinne am spitzen Ende der V-förmig zusammenstoßenden Dach- und Glasdach-Konstruktion am Vorbau zum Garten. Wie die Aufnah- me vom Starkregenereignis vom 27. April 2013 (neben- stehendes Foto) sehr deutlich zeigt, kommt es zu einer Flutung des Dreiecks über der Rinne und einem daraus resultierenden Eindringen von Regenwasser in die Dachkonstruktion inkl. unterhalb liegendener Bauteile. Diese Wasserschäden setzen sich im Gebäude an den Wänden teilweise bis in den Keller fort.

Wasser scheint das Grundübel für die gravierenden Schäden am Kindergartengebäude zu sein. Im Keller wurden Risse am Verputz und dahinter im Beton gefunden, durch die das Wasser in das Gebäude eindringt. Und auch sonst, scheint beim Bau dieses Teils der Kindertagesstätte 1993 ziemlich gepfuscht worden zu sein. Im Bereich der Fassade gibt es nahezu überall Fugenundichtigkeiten, in einem  Extremfall so stark, daß ein Durchblick in den Garten möglich ist.

Sanieren oder neu bauen?

Eine Sanierung des Gebäudes mit den vorgeschlagenen energetischen Verbesserungen würde die Gemeinde, so das Planungsteam, „um die 670.000 EUR kosten. Wobei es sich hier noch nicht einmal um eine fundierte Schätzung, sondern um eine überschlägige Summe handelt. Ein Betrag der die Frage aufkommen ließ „was kostet wegreißen und neu bauen?“ Da zum weiteren Vorgehen noch kein Beschluß des Gemeinderates anstand, wird vor Beginn der kommenden Gemeinderatssitzung eine Gebäudebegehung stattfinden.

Es bleiben Fragen

Gerade im Fall Kindergarten bleiben aber auch noch Fragen nach Verantwortlichkeiten, die man nicht ausschließlich mit dem Hinweise auf den Amtsvorgänger von Rosa-Maria Maurer abtun kann. Man darf auf weitere Reaktionen im Gemeinderat gespannt sein.

 

 

 

 

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