Ein Dorf-Wirtshaus mausert sich zum Gourmet-Tempel

der alte wirt in adlkofen

Der „Alte Wirt“ in Adlkofen – nicht mehr lange ein Geheimtip für Gourmets

Der Argentinier, der ein Landshuter war und ein Essen zum Träumen

Adlkofen. Wenn man zur Quintessenz des Abends kommen möchte, wird es schwierig. Beginnen wir etwas abseits vom eigentlichen Ort des Geschehens und dennoch mitten in der Vorbereitung. Diesen Geheimtip kann man den Anglerfreunden im Kreis Landshut getrost mit auf den Weg geben: Werft in Zukunft keine Angeln aus, sondern haltet große Kescher in das Wasser und dann redet mit den Fischen. Sagt ihnen, sie kommen alle in die Küche vom „Alten Wirt“ in Adlkofen. Forellen, Karpfen, Hecht, Waller und was es da sonst noch so alles mit Schuppen in der Isar geben mag – sie springen vor lauter Freude freiwillig in’s Netz! Erst recht, wenn sie vom „Brasilianischen Fischeintopf“ hören, den Felix Rosenow zum Südamerikanischen Abend mit viel kulinarischem Einfühlungsvermögen und Können auf die Tafel zauberte. Das muß so ziemlich der Traum auch eines jeden bairischen Fisches sein, mit einem Hauch von Kokos und edlen Gewürzen abgeschmeckt, mit buntem Reis serviert, so zur Krönung eines sensationellen Menüs zu werden und dabei so überhaupt nicht nach dem auszusehen, was man in Bayern gemeinhin unter „Eintopf“ versteht. „Brasilianischer Fischeintopf“ – klingt ja irgend wie nach „küß‘ den Frosch und hoffe..“, verzaubert jedoch garantiert jeden Fischliebhaber in ein über das ganze Gesicht lächelndes Honigkuchenpferd.

Schauen wir uns die Weine an, die Felix Rosenow von seinen Freunden Linda und Albert Prockl, den Inhabern des Ladl’s, für sein kulinarisches Erlebnis hat auswählen lassen. Die Paraderebe Argentiniens, ein Malbec, Jahrgang 2015 aus Las Maletas, präsentierte sich in wirklich großer Form: Nobel, fast kühl entfalten sich in der Nase allmählich Aromen von Schwarzkirschen, Heidelbeeren und ein Hauch Lavendel. Die beim Malbec oft ungestümen Tannine sind bei diesem Jahrgang wunderbar gezähmt, die Frucht perfekt eingebunden. Der Abgang dicht und konzentriert.

Der „Morita“ der Finca las Moras, ein Shiraz ebenfalls des Jahrgangs 2015, begeisterte mit einem anziehenden Duft nach Brombeere, Chassis und Schokolade die zahlreichen Fans. Im Gaumen durfte dabei die für einen Shiraz typische Pfeffernote nicht fehlen. Der „Morita“ ist im Charakter dennoch insgesamt weich, rund und harmonisch. Ein sehr angenehm zu trinkender Wein, den nicht nur die Weinfreunde in seiner Heimat als einen leuchtenden Stern am Shiraz-Himmel sehen. (Ein Tip für Weinfreunde: einige wenige Flaschen dieser extra für diesen Abend beschafften Weine sind im Lad’l noch zu einem sagenhaft günstigen Preis erhältlich)

Zwei Argentinier mit vollkommen unterschiedlichen Geschmacksnoten und doch beide auf ihre unverwechselbare Art perfekt zu den Speisen passend, die Küchenchef Rosenow für diesen Abend gewählt hatte. Schon der erste Gruß aus der Küche weckte große Erwartungen. Eine dezent pikante Kürbiscreme, in einer Espresso-Tasse serviert, hinterließ still fragende Gäste. Es war in vielen Gesichtern abzulesen: warum müssen Espresso-Tassen nur so klein sein? Damit ist über diese kleine Gaumenschmeichelei alles gesagt. Etwas Lob muß man sich ja für weitere Gänge noch aufheben. Die Kunst des Genießens liegt jedoch zu einem wesentlichen Teil auch in der richtigen Dosierung. Wie im Laufe der letzten Woche von vielen Gästen zu erfahren war, ist es dem Küchenchef punktgenau gelungen, die Gaumen der Gäste mit der richtigen Menge angenehm zu kitzeln. Das Küchengedicht fand seine Fortsetzung mit raffiniert gefüllten Teigtaschen als zweitem Amuse-Gueule und mündete wahlweise in einen nicht  minder gelungenen argentinischen Steakspieß oder den schon beschriebenen „Fischeintopf“. Ein zweiter Gruß aus der Küche ist ja meist ein dezenter Hinweis, daß mit dem Hauptgang etwas schiefgelaufen ist und der Maître de Cuisine Zeit benötigt. Es gibt aber halt auch diese Ausnahmen, wie an diesem Abend, wenn ein zweiter kleiner Happen ideal paßt, um die Gaumenfreuden zu steigern. Fleisch oder Fisch – egal für was man sich bei der Auswahl des Menüs entschieden hatte – es wurde ein Mahl zum Genießen und zum Träumen.

Der Abend war ohnehin etwas anders, wie ihn sich die meisten wohl vorgestellt hatten. Im Restaurant waren die Tische zu zwei langen Reihen zusammen gestellt. Südamerikaner sind in der Regel sehr gesellige Leute und lieben es gemeinsam an einer Tafel zu sitzen. Nicht nur für Adlkofener Verhältnisse ungewohnt, aber halt stilecht. Und letztendlich auch schnell akzeptiert. Wenn es da noch irgendwo Skepsis zu dieser Sitzordnung gegeben haben sollte – sie löste sich im Laufe des Abends garantiert in der lockeren und musikalisch beschwingten Atmosphäre.

Thomas Mauerberger in Adlkofen

Thomas Mauerberger in Adlkofen

Den musikalisch-künstlerischen Teil des Abends sollte ja ein original argentinischer Künstler bestreiten. So die Ankündigung der Wirtsleute Uschi und Felix, was auch ich so an die Leserinnen und Leser weitergegeben hatte. Der Argentinier entpuppte sich jedoch als waschechter Landshuter und ist in der Musiker- und insbesondere lateinamerikanischen Künstlerszene kein Unbekannter: Thomas Mauerberger begeisterte mit seinen Liedern und seiner Musik aus seinem umfassenden Repertoire „100 Canciones“ einmal mehr das Publikum.

Musik aus Südamerika bildet den Schwerpunkt von Mauerbergers Repertoire. Auf seiner Internetseite „100canciones“ schrieb er in einer Ankündigung für den Abend in Adlkofen: „Nach meiner musikalischen Landkarte beginnt die Reise in Brasilien und führt über Cuba und die Anden nach Argentinien. Seit ich das erste mal einen solchen Abend bestritten habe, hat sich schon einiges getan. Besonders kubanische Lieder sind dazu gekommen, die diese bittersüße, leichte Melancholie verbreiten. Auch ein paar neue Tangolieder gibt es. Die Liste der Stücke reicht für einen wirklich langen Abend. Wir werden schon sehen, wie sich die Stimmung entwickelt“.

Prächtig hat sie sich entwickelt, wahrlich prächtig! Schon nach wenigen Liedern hatte der Künstler mit seinen einfühlsamen Interpretationen besonders die Aufmerksamkeit einer unter den Gästen befindlichen Brasilianerin erobert, die schon bald damit begann, immer wieder bei den weit über die argentinischen Grenzen hinaus bekannten Liedern im Rythmus zu klatschen und mitzusingen. Als dann zu fortgeschrittener Stunde Felix Rosenow den Kochlöffel aus der Hand legte und ihn mit seiner Gitarre vertauschte, wurde aus dem Solisten mit zeitweiser Begleitung einer zweiten Gesangsstimme ein wunderbar harmonisierendes Trio. Zwei Gitarren mit Gesang und eine Mischung aus Blues und Jazz fügten sich in einer berauschenden Jamsession zum stimmungsvollen Höhepunkt eines nicht mehr nur kulinarisches Erlebnisses in Adlkofens Traditionsgaststätte „Alter Wirt“, von dem die Gäste bestimmt noch lange schwärmen werden..

Seit seiner Wiedereröffnung des „Alten Wirts“ im Jahr 2013 und der ersten Portion verkauften Schweinebratens hat die Küche des Gasthauses ohnehin einen sehr guten Ruf. Küchenchef Felix Rosenow kocht mit Leidenschaft, Ehrgeiz und dem Fingerspitzengefühl des Könners. Das Tagesgeschäft mit seinen Anforderungen und selbstgesteckten Ansprüchen, auch wenn die höher angesiedelt sind als in vielen Wirtshäusern im Umland, läßt wenig Spielraum am Herd für einen Kochlöffel-Virtuosen wie Rosenow. Auf der Suche nach Möglichkeiten, sein umfangreiches Können einem wegen der beengten Platzverhältnisse in der Küche relativ kleinen Kreises von Feinschmeckern zugänglich zu machen, kamen Uschi und Felix auf die Idee, das mit Themenabenden in die Tat umzusetzen. In bestechend guter Erinnerung bleiben da ein schottischer, ein südtiroler und jetzt der südamerikanische Abend. Das nächste Highlight steht dazu ebenfalls schon fest. Am Freitag, 28. Oktober, wird es eine „Curry Nacht“ geben.

Es soll wieder ein gemütlicher Abend mit Musik werden. Einen Jaltarang-Virtuosen – ein Musiker, der mit bestimmten Wassermengen gefüllte Porzellanschalen zum Klingen bringt – in Aktion zu erleben wäre sicher ein überraschendes Erlebnis. Auch der Klang einer Sitar oder einer Ghumat – eine aus einem mit einer Waranhaut bespannten Tontopf bestehenden Kesseltrommel – können zeitweise die Sinne zu Träumereien anregen. Allerdings sollten indische Musiker doch zu den eher seltenen Erscheinungen in Bayern gehören. Wie die Wirtsleute vom „Alten Wirt“ diese Herausforderung meistern werden – man darf gespannt sein.

„Curry“, das englische Wort stammt vom tamilischen Wort „kari“, kam während der britischen Kolonialzeit nach Europa und bedeutet „Soße“. Unser „Curry“ hat also nur sehr wenig mit dem gleichnamigen Gewürz zu tun, wobei gelegentlich auch dieses zum Einsatz kommen dürfte. Es bezeichnet vielmehr eine Art Ragout.

Die für Ende Oktober angekündigten, unvergeßlichen und traditionellen Curry-Spezialitäten vom Huhn, Schwein, Lamm und Garnelen oder Fisch werden sicher wieder jeden Feinschmecker begeistern. Zur indischen Küche gehören unweigerlich Basmatireis und Naan-Brot. Das in Südasien – Indien, Pakistan und Bangladesch – und Zentralasien sowie im Vorderen Orient als Beilage zu heißen Gerichten gegessene Naan-Brot wird aus gesäuertem Teig hergestellt und besteht ursprünglich aus Hirse und Hefe. Gebacken wird Naan-Brot traditionell über der offenen Glut, wodurch es seinen typischen Geschmack erhält. Küchenchef Rosenow verspricht hausgemachtes Naan-Brot.

Die „Curry-Nacht“ in Adlkofen beginnt um 19 Uhr. Das Menü wird für 22 EUR pro Person angeboten. Schon beim „Südamerikanischen Abend“ hat sich ein Trend aus den vorangegangenen Abenden fortgesetzt: der „Alte Wirt“ und seine kulinarischen Erlebnisabende sprechen sich nicht nur in Landshut und im Landkreis immer mehr herum. Er ist inzwischen zum nicht mehr so geheimen Geheimtip in der niederbayrischen Gourmetszene geworden und es dürfte von Mal zu Mal schwieriger werden, noch einen Tisch zu ergattern, je näher der Abend rückt. Aus diesem Grund werden Reservierungen bereits jetzt angenommen. Adl- kofener, die noch mit dabei sein wollen, sollten sich besser beeilen…

Der Interpret des „Südamerikanischen Abends“ im Portrait:

Thomas Mauerberger: 100canciones

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