Drohte Scharf Parteifreund mit Watsch’n?

Eklat in der Sitzungspause

Adlkofen. Diese Sitzung wird einigen Gemeinderäten und Adlkofens Bürgermeister noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht etwa wegen der sehr ausführlich geführten Aussprache zum Regenwasserkanal im Baugebiet Nord und der Suche nach den Ursachen der Misere; sondern wegen eines Vorfalls in der Sitzungspause vor dem Rathaus. Wie aus zuverlässigen Kreisen berichtet wird, soll dort der Rathauschef seinem Parteifreund und Fraktionskollegen Hans Strasser mit „Watsch’n“ gedroht haben.

Die genauen Hergänge um die neuerliche Entgleisung des Bürgermeisters sind uns nicht bekannt  Wer aber ein wenig hinter die Kulissen blickt und die Ereignisse der letzten Tage um die sehr, sehr kurzfristig mit einem Tag Ladungsfrist einberufene Bauauschußsitzung vom Freitag kennt, kommt nicht umhin, den Vorfall in diesem Zusammenhang zu sehen.

Rückblende: Für die Bauauschußsitzung am letzten Freitag hatte Bürgermeister Josef Scharf mit eintägiger Frist geladen. Viel zu kurz für einige Ausschußmitglieder, die sich auch daran stießen, daß vom Rathauschef die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war. Für diese Geheimhaltung gab es keine aus der Tagesordnung ersichtlichen Gründe und so forderte eine handvoll Rebellen fraktionsübergreifend in förmlich gestellten Anträgen von Scharf, die Sitzung öffentlich durchzuführen. Andernfalls, so soll der Wink mit dem Zaunpfahl gelautet haben, stelle man fest, das nach § 23 der Geschäftsordnung die Ladungsfrist eindeutig zu kurz sei. Allerdings ohne Hinweis auf sich daraus eventuell ergebende Konsequenzen.

Scharf war trotz des Proteststurms bei seiner Linie geblieben. In einem Gespräch vor Sitzungsbeginn äußerte er sich am Freitag gegenüber dem ADLKOFENER BLATT’L und verwies auf „zu behandelnde Grundstücksangelegenheiten und Auftragsver- gaben“. Es ist nicht möglich, so Scharf in dem Gespräch, „unter diesen Vorausset- zungen die BA-Sitzung öffentlich durchzuführen.“

Im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung am Montagabend wurde in der Aus- sprache zu dem bei Sitzungsbeginn beantragten Tagesordnungspunkt „Regen- wasserkanal Adlkofen Nord“ dann schnell deutlich, daß dieses Thema bereits den Bauausschuß in besagter Sitzung beschäftigt hatte. Wie Bürgermeister Scharf informierte, sei zwischenzeitlich die Kanalverlegung „am Laufen“. In seinen Ausführungen war von vielen Dingen die Rede, von „nicht gewußt“, „spät erfahren“, von Mißverständnissen, von Terminmangel bei der involvierten Baufirma Ohneis und mißlichen Dingen mehr. Nur eines nicht – wer für den unrechtmäßigen Kanalbau auf dem Privatgrundstück tatsächlich verantwortlich ist. Und dann überraschte er nicht nur die betroffenen Zuhörer im Sitzungssaal mit einer „kurzfristig machbaren Alternative“: Der Kanal könne abgedichtet werden, so daß einem sofortigen Beginn der Baumaßnahme durch den Grundstückseigentümer nichts mehr im Wege stehe. Der müsse dem Rathauschef lediglich mit drei Tagen Vorlauf Bescheid geben, wann Baubeginn sei, dann werde er die entsprechenden Arbeiten veranlassen. Hinterher könne der Kanal durch eine Firma neu verlegt werden.

Überrascht von dieser Wende waren auch die Mitglieder des Bauausschusses, denn von der Möglichkeit hatten sie noch drei Tage davor kein Sterbenswörtchen vom Bürgemeister erfahren, wie Gemeinderat Hans Strasser (CSU) in einer ersten Wortmeldung feststellte. Außerdem mahnte Strasser  an, daß die für eine Kanalverlegung erforderlichen Grunddienstbarkeiten noch nicht erledigt seien. Peinlich für den Rathauschef die danach folgende, emotionslos und sehr sachlich vorgetragene chronologische Auflistung der Pannen und Ereignisse um den Kanal; vergeblich seine Versuche, den Redefluß seines Kritikers zu unterbrechen. Strasser: „Jetzt laßt mi ausredn, ich hab‘ Dich auch nicht unterbrochen.“

Besonders bohrend war die abschließende Frage allerdings auch nicht, warum Bürgermeister Sxcharf es verpaßt hatte, in der BA-Sitzung vom 5. September den Ausschuß darüber zu informieren, daß er bereits am 26. August die Firma Ohneis beauftragt hatte, den Kanal zurück zu bauen.

Inzwischen fehle, so Scharf in seiner Erwiderung, der an anderen Baustellen engagierten Firma jedoch die Zeit, die Maßnahme in Adlkofen durchzuführen. Angebote anderer Firmen, die mit Einverständnis des Auftragnehmers für diesen einspringen könnten, hatte die Verwaltung versucht, einzuholen. Fazit der Bemühungen – eine Firma war übrig geblieben, die freie Kapazitäten hätte. Allerdings zum zweieinhalbfachen Preis dessen, den die Firma Ohneis nehmen würde. Was die noch nicht erfolgten Grunddienstbarkeiten betraf, verwies Scharf auf fehlendes Personal für eine zeitnahe Vorbereitung derselben. Er sicherte jedoch zu, bis zum 31. Dezember 2013 sei auch dieses Thema erledigt. Selbst die vom Bauauschuß von ihm angeforderten schriftlichen Stellungnahmen werde es geben. Die vom Ingenieurbüro liegt bereits vor, so Scharf und auch seinen Bericht werde es geben, „aber ganz bestimmt nicht vor dem 31. 12., weil ich vorher keine Zeit hab‘ dafür!“

Auch in der Nachfrage von Gemeinderat Valentin Petermaier (FB), der vergeblich konkrete Schritte und insbesondere Termine vom Bürgermeister für die Erledigung des Themas einforderte und ansonsten selbst für die Arbeitsüberlastung des Rathauschefs ausgesprochen viel Verständnis zeigte, läßt sich für den späteren Ausratser des Bürgermeisters kein Grund erkennen. Einstimmig verabschiedet wurde gar der Beschlußvorschlag von GR Hubertus Werner, bis zur endgültigen Lösung des Problems auf Kosten der Gemeinde die Kanalabdichtung vorzunehmen.

 

 

 

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