Adlkofener-Blattl

„Baugebiet Roßberg“ auf der Kippe

Die ethisch-moralische „Nagelprobe“ zum Naturlehrpfad – Am Montag GR-Sitzung

Adlkofen. Die Beschlußfassung im Gemeinderat, entlang des Waldsaumes zwischen Deutronic-Straße und Pfarrwiesgraben, einen ersten Teilabschnitt des Adlkofener Naturlehrpfades anzulegen, faßte der Gemeinderat noch einstimmig, ohne zu wissen, daß ihn die zur Motivation für diese Einrichtung führenden Gründe schon wenige Wochen später als „Nagelprobe“ für seine moralisch-ethische Ernsthaftigkeit ins Haus stehen werden. Eine offizielle Ladung mit Tagesordnung liegt der Redaktion zur Stunde zwar noch nicht vor, wie aus gut unterrichteten Kreisen jedoch verlautete, steht das Baugebiet „Roßberg“ auf der Tagesordnung der Sitzung am kommenden Montag. Das Baugebiet ist nicht von einer „planungsrechtlichen Verzögerung“ betroffen, sondern soviel sollte bereits heute feststehen – ohne Umweltverträglichkeitsprüfung wird es dort keinesfalls weitergehen.

Im Rechenschaftsbericht der Ersten Bürgermeisterin auf der kürzlich abgehaltenen Bürgerversammlung war das beabsichtigte Baugebiet Roßberg der Rathauschefin nur einen Nebensatz wert: “… und für das Baugebiet Roßberg gibt es planungsrechtliche Verzögerungen“, äußerte sich Rosa-Maria Maurer dazu mit zuversichtlicher Stimme, daß es sich hierbei lediglich um eine geringfügige zeitliche Verzögerung handeln sollte. Diese „planungsrechtlichen Verzögerungen“ sind, wie sich inzwischen im Gemeinderat herumgesprochen haben sollte, die Folgen eines handfesten Skandals und durchaus dazu angetan, das Vorhaben Roßberg, als Baugebiet, gerechtfertigter Weise, endgültig zu begraben.

Wie im „ADLKOFENER BLATT’L“ nachzulesen, hat sich ja in einem Beitrag die Wiesenralle zu Wort gemeldet. Die Wiesenralle, vermutlich in Teilen der Bevölkerung besser bekannt als der Adlkofener Wachtelkönig, hatte angekündigt, alle Hebel in Bewegung setzen zu wollen, damit er sein Revier, seinen potentiellen Adlkofener Brutplatz, behalten kann. Schon mit seinem ersten Hilferuf an den Landesbund für Vogelschutz war er als Vertreter eine der am stärksten in Europa vom Aussterben bedrohten Vogelarten erfolgreich. Der für den Landkreis Landshut zuständige Kreisvorsitzende dieser Expertenorganisation war am 23. August 2017 nach Adlkofen gekommen und hat persönlich das Gelände des Bebauungsplanes „Roßberg“ in Augenschein genommen. „Unmöglich, das ohne Umweltprüfung durchziehen zu wollen“, war das erste Fazit von Christian Brummer. Der Inhalt seiner schriftlichen Stellungnahme wird vermutlich am kommenden Montag in der Gemeinderatssitzung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

LBV-Kreisvorsitzender Christian Brummer (links) erörtert zusammen mit Robert Beringer die Besonderheiten der Roßberg-Biotope.

Daß es in Adlkofen wohl keinen ortskundig-kompetenteren Fachmann zu den Roßberg-Biotopen geben dürfte als Robert Beringer, der das Gelände seit Jahren intensiv beobachtet, sollte unbestritten sein. Er war vom Initiator dieser Besichtigung zum Termin mit dazugebeten worden. Die beiden Fachleute erörterten vor Ort die Optionen für das Gebiet und waren unter anderem bei der Begehung von den zahlreich vor ihren Füßen fliehenden jungen Zauneidechsen begeistert. Bei der Gelegenheit wurde auch eine Wespen-Spinne entdeckt. Im späteren Verlauf einer erweiterten Biotopbegehung konnte Beringer eine einzelne, recht unscheinbare blaue Blüte ausmachen, die sich anschickt, zu einer botanischen Sensation im Landkreis und vermutlich weit darüber hinaus zu werden. Allerdings hält sich der Naturexperte mit seinem Wissen in dieser Sache noch zurück und möchte verständlicher Weise erst das Ergebnis einer endgültigen wissenschaftlichen Artbestimmung abwarten.

Seit der Biotopbegehung jedenfalls glühen einzelne Telefondrähte, werden „Connections“ angestoßen, alte Kontakte neu belebt und auch der Postweg bemüht. Und das nicht nur vom LBV-Mann, der umgehend die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Landshut mobilisierte. Auch von dieser Seite ist am kommenden Montag eine Stellungnahme mit konkreten Vorstellungen zu erwarten. „Sicher ist sicher“ dachte sich der Blatt’l-Herausger Max Flügel und hat auch die Naturschützer bei der Regierung von Niederbayern auf die Roßberg-Problematik hingewiesen. Zusammen mit ihm haben sich zudem ein halbes Dutzend Adlkofener ebenfalls mit einer Stellungnahme beziehungsweise mit Einwendungen gegen ein „Baugebiet Roßberg“ gegenüber dem Gemeinderat ausgesprochen.

Es wird also spannend werden in der Frage, was die Mitglieder des Adlkofener Gemeinderates am Montag, 16. Oktober, in ihrer um 19.30 Uhr im Pfarrsaal beginnenden Sitzung zum Thema „Baugebiet Roßberg“ beitragen und wie sich vor allem Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer dazu positionieren wird. Wie die Redaktion inzwischen erfahren hat, ist bereits beim Bau des zum Bebauungsplan „Aigner Straße“ gehörenden Regenrückhaltebeckens ein besonders schöner Bestand des Zittergrases, einer in Deutschland nicht sehr häufig anzutreffenden Art aus der Familie der Süßgräser, vernichtet worden. Damit dieses Schicksal nicht auch den inzwischen inoffiziell festgestellten weit über 75 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten und damit dem gesamten Roßberg-Biotopen widerfährt, wollen die Adlkofener Naturschützer das weitere Verfahren kritisch im Auge behalten und notfalls weitere Schritte unternehmen. Der Adlkofener Crex crex (Wachtelkönig) wird seine Heimat zumindest im nächsten Jahr bei seiner Rückkehr aus dem afrikanischen Winterquartier noch unverändert vorfinden.

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