Adlkofen wird Mitglied im Landschaftspflegeverband

Kuriose Stimmregelung  und wieder mal eine Extrawurst für Landshut – Verband auch für Privatleute offen

Die Pflege ökologisch besonders wertvoller Flächen übernimmt der Landschaftspflegeverband

Die Pflege ökologisch besonders wertvoller Flächen übernimmt der Landschaftspflegeverband

Adlkofen. Die Bürgermeister-versammlung der Kommunen im Landkreis Landshut hatte sich im Oktober letzten Jahres einstimmig für die Gründung eines Landschaftspflege-verbandes für den Landkreis ausgesprochen. Sofern die Stadt Landshut an einer Mitgliedschaft Interesse bekunden sollte, steht auch ihr die Mitgliedschaft offen. Der Anregung der Bürgermeister folgend, hatte im Dezember auch der Kreisausschuß dieses Thema aufgegriffen und beschlossen, die Gründung federführend vorzubereiten. Soweit die Vorgeschichte. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend hatte nun der Adlkofener Rat die Gelegenheit, über eine Mitgliedschaft im „Landschaftspflegeverband Landshut“, nach seinem Eintrag im Vereinsregister mit dem üblichen „e.V.“-Zusatz, abzustimmen.

Dazu informierte Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer das Gremium über die vom Verein zu übernehmenden Aufgaben, die Vorteile für die Gemeinden und – auch das sieht die Satzuung vor – die Vorteile von privaten Mitgliedern. Grundsätzlich sprachen sich die Gemeinderäte für eine Mitgliedschaft aus. Auch die Beitragshöhe für die Landkreis-Kommunen von 50 Cent sowie für den Landkreis von 80 Cent je Einwohner bedurfte keiner Diskussion. Für Erheiterung reihum im Gemeinderat sorgte ein anderes Detail der von den Landratsamtsjuristen ausgearbeiteten Stimm- und Beitragsordnung mit Blick auf die Privatmitglieder. Jede kreisangehörige Kommune erhält, ungeachtet ihrer Einwohnerzahl und damit ihrer Beitragsleistung eine Stimme. Da der Landkreis einen höheren Pro-Kopf-Beitrag beisteuert, erhält er vier Stimmen. Landshut soll, obwohl es ebenfalls nur 50 Cent pro Einwohner als Beitrag leisten wird, zwei Stimmen erhalten.

Private Mitglieder erhalten ebenfalls jedes eine Stimme und das bei 50 EUR Jahresbeitrag. Mit den 35 Landkreis-Gemeinden, der Stadt und dem Landkreis kämen diese Mitglieder auf maximal 41 Stimmen. 42 private Mitglieder, die sich einig sind, könnten demzufolge den Landshuter Landschaftpflegeverband dominieren und würden gemeinsam gerade einmal wenig mehr als die Gemeinde Adlkofen an Beitragssumme aufbringen. „Da melden wir den Valentin an und sparen uns die restlichen 1.950 EUR“ kam es scherzhaft aus den Sitzunsgrund.

Wenngleich das keine Lösung im Sinne der wahrzunehmenden Aufgaben durch den Verband im Gemeindegebiet wäre, 2.000 EUR Beitrag bei den Stimmrechten genauso zu gewichten, wie 50 EUR, dabei aber wie selbstverständlich für die Landshuter wieder eine Extrawurst zu braten, weil die für ihr Geld zwei Stimmen bekommen sollen,  ist keinesfalls in Ordnung. Was übrigens niemanden im Gemeinderat störte. An den Umstand, daß manche gleicher sind als andere, scheint man sich in Deutschland bereits gewohnt zu haben.

Insgesamt jedoch auch für die Adlkofener Gemeinderäte eine sehr kuriose Beitragsordnung deren tieferer Sinn sich niemanden erschließen mochte. Dem Beitritt zum Landschaftspfelegeverband stimmten die Gemeinderäte einhellig zu, allerdings beauftragten sie die Bürgermeisterin, sich nach den Gründen für diese seltsame Stimmrechtsregelung mit Blick auf die privaten Mitglieder zu erkundigen.

Die Aufgaben der neuen Organisation

Den nachfolgend geschilderten Aufgaben möchte sich der Landschaftpflegeverband Landshut nach seiner Eintzragung in das Vereinsregister widmen:

Pflege und Entwicklung von ökologisch wertvollen Eigentumsflächen der Gemeinden. Dazu gehören die Durchführung der Pflege in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Landwirtschaft und die Durchführung von Biotopgestaltungsmaßnahmen. Im privaten Bereich zählen dazu insbesondere auch Streuobstwiesen, die Anlage von neuen Hecken, artenreiche Wiesen, Kopfweiden und sonstige Biotope.

Es soll auch Unterstützung bei der Initiierung von Projekten zum Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft und der Unterstützung von Vermarktungsstrategien regionaler Produkte geben. An der Stelle wird aus dem Landschaftpflegeverband wohl eher eine regionale Marketingorganisation.

Mit der Durchführung von Artenhilfsmaßnahmen und Biodiversitätsprojekten nähert sich der Landschaftspflegeverband wieder an die Aufgaben an, die man hinter seinem Namen auch vermutet. Besonders Maßnahmen für landkreisbedeutsame Tier- und Pflanzenarten wie den Laubfrosch, die Blaue Himmelsleiter oder den Weißstorch zählen hierunter. Im Fokus steht auch hier die Beratung und Durchführung zu den einzelnen Artenhilfsmaßnahmen.

Zu allen Punkten wollen sich die Verbandsexperten dann auch um die Beschaffung von Fördermitteln, deren Abrechung und die Öffentlichkeitsarbeit kümmern.

Mittelfristig strebt der Verband die Beratung, Planung und Umsetzung von Maßnahmen zum Gewässerunterhalt und zur Gewässerentwicklung im Sinner der EU-Wasserrichtlinie in den Gemeinden an. Besonders die Punkte „Planung und Umsetzung“ werden in der Wirtschaft bei den Vertretern der Freien Berufe Freude aufkommen lassen.

Keine Konkurrenz zur Privatwirtschaft ist bei der Betreuung des Ökokontos der Gemeinden zu befürchten. Auch hier geht es um Durchführung und Planung. Allen Aufgabenpunkten gemeinam ist die Zuständigkeit des Landschaftspflegeverbandes für die Beschaffung und Abwicklung öffentlicher Fördermittel, die Abrechnung und allgemein die Öffentlichkeitsarbeit.

Foto: Screenshot aus der Aufgabendokumentation des Landkreises
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