„A ziemliche Umstandskramerei“

Den Weg zur Rathaussanierung mit Knüppeln und Steinen gepflastert

Adlkofen. Der Treppenlift kommt nicht, aber auch der normale Lift bleibt weg. Das Dach und die Fenster werden saniert, die Temperaturregelung für den Serverraum bleibt im Dunkeln. Der Maßnahmenkatalog zur Rathaussanierung wurde gemäß CSU-Antrag nach zäher Willensbildung geschnürt, nur um gleich darauf am anderen Ende wieder aufgedröselt zu werden. Ist halt nicht so einfach, ein altes Gemäuer den Erfordernissen der Zeit anzupassen, wenn man keinen wirklichen Plan hat und mit dem Geld knausern will (oder muß), wobei allen am Tisch wohl klar gewesen sein dürfte: wegreißen und neu bauen wäre am Einfachsten und vermutlich in der Endabrechnung auch am billigsten. Nur aussprechen wollte das am Montagabend niemand!

Und weil das niemand gesagt hat, braucht man auch nicht darüber nachdenken. Jedenfalls nicht öffentlich. Was gut so ist, denn ein Rathausneubau zum jetzigen Zeitpunkt wäre zwar mit überaus günstigem Geld zu finanzieren, aber bei dem Gedanken an die erforderliche Neuverschuldung bekämen die meisten Gemeinderatsmitglieder wohl eher Magengeschwüre als ein ruhiges Gewissen. Wobei, so ganz vom Tisch ist das Thema dann wohl doch nicht, aber da mußte man schon genau hingehört haben, in einer über 70minütigen und zeitweise sehr anstrengenden Debatte.

Manche Themen im Adlkofener Gemeinderat haben es wirklich in sich, sie ziehen sich und ziehen und ziehen sich. Tagelang gekauter Chewing Gum hat vermutlich mehr Elastizität und Reize, als solche Aussprachen mit ihren an den Haaren herbei gezogenen Argumenten, teilweise basierend auf lückenhaften oder gar falschen Informationen aus dritter Hand. Es ist nicht etwa ihre politischen Brisanz, die einer zielstrebigen Entscheidungsfindung im Wege steht. Die ist ohnehin nur selten augenscheinlich, sondern einfach nur die Verliebtheit mancher Redner mit möglichst vielen Worten am liebsten ganz wenig bis nichts zu sagen und die vom Chefsessel aus gelenkte Umständlichkeit in der Beschlußfindung. So auch am letzten Montag, als über die Frage entschieden werden sollte, wie die Rathaussanierung nun ausfallen sollte. Im Vordergrund stand dabei die Frage mit oder ohne Lift in den ersten Stock.

Architekt Florian Weber hatte zu dem gesamten Themenkomplex eine Aufstellung von Maßnahmen erarbeitet, mit der – das stelte sich sehr schnell heraus – die meisten Gemeinderatsmitglieder nur wenig bis gar nichts anzufangen wußten beziehungsweise auch nichts anfangen wollten, denn: es lag ein Antrag der CSU zu dem Tagesordnungspunkt auf dem Tisch,

 in dem gefordert wurde, nur die nötigsten Maßnahmen der erforderlichen Sanierung wie Fenster, Dach und einen Treppenlift in den Maßnahmenkatalog mit aufzunehmen.

Treppenlift fällt aus, wie die Bürgermeisterin den Rat unterrichtete. Zur Begründung hieß es „in öffentlichen Gebäuden nicht zulässig und wegen unzulässiger Beeinträchtigung des ersten Rettungsweges.“ Ihrem Argument, es wäre Menschen mit Hanycup nicht oder nur äußerst umständlich möglich, die im ersten Stock befindlichen Einrichtungen wie die Gemeindekasse oder das Trauzimmer aufzusuchen, blieb in der weiteren debatte weitgehend unberücksichtigt. Selbst der Hinweis, diesem Personenkreis werde damit auch der Besuch von Gemeinderatssitzungen unmöglich gemacht, verhallte ungehört bei der Ratsmehrheit. Im Gegenteil, die meisten debattenbeiträge folgtem dem Beispiel von Hubertus Werner (SPD), der empfahl Tätigkeiten aus dem ersten Stock im Bedarfsfall halt ebenerdig abzuwickeln. Zudem bestünde auch die Möglichkeit, daß man gehandycupten Personen einfach dabei helfen müsse, in den ersten Stock zu gelangen, wenn es denn unbedingt sein müsse. Aber Aufzug? Da war man entschieden dagegen!

In der Lift- und Sanierungsdebatte wurde deutlich, daß sowohl die CSU als auch Hubertus Werner nicht grundsätzlich gegen einen Aufzug sind, sondern rein aus finanziellen Erwägungen zum jetzigen Zeitpunkt einen solchen ablehnen. Man befürchtete einfach, wie den Ausführungen Werners zu entnehmen, sich jetzt in Zeiten billiger Kredite unnötig zu verschulden und käme dann wieder in die Tilgungsbredouille, wenn die Zinssätze stiegen. Das ist ein Argument, aber die vopn ihm aufgezählten Möglichkeiten, wie man das Problem anderweitig in den Griff bekommen könnte. Von Personen hochtragen bis Büroumzug in’s Erdgeschoß, wenn Platz in den Räumlichkeiten der Bank frei würde, war so ziemlich alles Denk- und Undenkbare mit dabei.

Für Bernhard Westermeier (CSU) war der Bogen noch ein Stück weiter gespannt. In seine Überlegungen flossen neben der Finanzierungsfrage jede Menge Optionen ein, bis hin zum Lift in fünf, sechs oder sieben Jahren oder gar ein in ferner Zukunft möglicher Rathaus-Neubau an anderer Stelle. Auch der Erwerb des jetzigen Gebäudes könnte eine Option sein, ab er halt nicht jetzt. Schließlich wurde, inmitten der Debatte über den, um die Forderung nach einem Treppenlift gekürzten CSU-Antrag aufgrund eines Antrages zur Geschäftsordnung von Hubertus Werner als den weitestgehenden Antrag abgestimmt.  In dem Antrag hieß es: „Die Bestandsaufnahme ist erfolgt und wir wissen, was in Zukunft zu erledigen ist. Aufgrund der klammen Haushaltslage nehmen wir jedoch von der großen Lösung mit einer Summe von über 800.000 EUR Abstand. Wir beantragen daher nur die wirklich notwendigen Arbeiten durchzuführen.“ Laut Antrag sind das der Austausch der Fenster und ein Anstrich der Fassade; das Abdichten des Daches, die Erneuerung der Dachfenster und eine Restisolierung am Dachboden sowie die Sanierung der Toiletten im Obergeschoß. der Antrag wurde mit einer 11:2-Stimmenmehrheit angenommen.

Wer jetzt allerdings glaubte, der Tagesordnungspunkt „Rathaussanierung“ wäre beendet gewesen, sah sich getäuscht. Bürgermeisterin Rosa-Maria Maurer griff auf Wimmers Maßnahmenliste zurück, um dann bei der Frage von Deckensanierungen erneut am Punkt anzuklommen, an dem es um wesentlich mehr Maßnahmen gehen könnte, als die soeben beschlossenen. Einfach, weil das eine in das andere übergreift und möglicherweise Arbeiten dort erforderlich werden, wo man es derzeit noch nicht absehen kann. Ein Beispiel: Der Rat beschließt mit 7:6 Stimmen nach kurzer Sitzungsunterbrechung und Augenscheinnahme des ramponierten Fußbodens in zwei im ersten Stock gelegenen Zimmern der Verwaltung, dort den Fußboden herrichten zu lassen. Dann kommt plötzlich das Argument auf den Tisch, da wäre noch die Gefahr von schadstoffbelasteten Decken im Kassenraum den Büros. Man sollte das Überprüfen und falls erforderlich, sanieren. Da wäre dann auch noch die Frage des

legt Wimmer nach. Aber wenn man sich darum kümmert um die Sicherheit zu gewährleisten, müßten auch die Leitungen in den Wänden auf Vordermann gebracht werden. Also doch wegreißen und neu bauen – nur, warum sagt das keiner?   Mit dazu gehört hier auch die Frage eines

 

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